Oktober 2019

 

Ihr Lieben,

 

ich möchte Euch heute „nur‘“ einen kurzen Stand der Dinge geben, weil –

ich mich aus tiefstem Innern DANKBAR fühle.

 

 Ganz ehrlich – wer ein bisschen die vergangenen Monaten mit allem Dilemma verfolgt haben mag, den wird es vielleicht wundern zu hören, dass ich tatsächlich dankbar bin für all das, was mir widerfahren ist … auch wenn sich das einerseits merkwürdig anhören mag, so bin ich selbst fest davon überzeugt, mein besonnenes und zugleich stabiles Verhalten als auch würdevolles Entgegentreten hat sich ausgezahlt … für mich ganz sicher.

 

 Wann immer ich in meinem Leben schwere Phasen zu meistern hatte und mir selbst nahe als auch treu geblieben bin, meine Werte strikt eingehalten habe vollkommen unabhängig davon, wie wenig mir die Anerkennung meiner Würde zuteil geworden ist, umso deutlicher hat sich im Nachhinein für mich diese Phase als absolut positiv ausgewirkt. Es war beinahe so, als habe mich das Schicksal aufgrund der Entscheidung die ich traf, mich nicht unterkriegen oder entwerten zu lassen, adäquat reagiert zu haben, nachträglich für eben diese Entscheidung, die mein Handeln maßgeblich beeinflusst hat, belohnt – wenn man das so formulieren kann!

 

Belohnt mit positivem Empfinden im Herzen und ganz sicher mit der Bestätigung, dass nichts wichtiger für mich ist, als meine innere Mitte stets im Gleichgewicht zu halten!

 

 

 Umso schöner nun, da ich nach nicht einmal zwei Monaten ohne Arbeit wieder tätig sein darf in einem Bereich, den ich selbst jahrelang vernachlässigt habe und der mir nun so sehr zugute kommt. Ich endlich etwas tun darf, was mich tatsächlich erfüllt!

 

 Ich arbeite mit Menschen (an Demenz erkrankten Senioren) und erlebe dieses als außerordentlich bereichernd. Weshalb ich auch buchstäblich solche DANKBARKEIT empfinde. Denn von mir aus hätte ich meine bis dato unbefristete Anstellung als Schreibkraft in keinster Weise selbst gefährdet oder gar freiwillig aufgegeben, es war  ein Job – Punkt!

Weil ich aber aufgrund widriger Umstände gezwungen war, mich davon zu lösen kann ich im Nachhinein nur sagen, welch ein Glück! Nun ist mein Alltag mit Lebendigkeit gefüllt, kein Tag ist wie der andere und immer gibt es etwas, das man positiv beeinflussen kann und sei es nur, ein erwidertes aufrichtiges Lächeln im Gesicht deines Gegenüber zu sehen – so kostbar und wertvoll und durch nichts anderes zu ersetzen! Eine Arbeit, in der nichts wichtiger ist, als zu sein, wer du bist ... wo Heuchelei umgehend auffliegt und auch definitiv unerwünscht ist, sein muss ... wo Menschlichkeit das oberste Gebot ist ...

 

 

 Bestätigt sehe ich das darin, als mir vor wenigen Tagen eine der Damen, die ich betreuen darf, sagte:

„Sie strahlen so eine Stärke und Ruhe aus, das ist so schön. Sie tragen die Sonne im Herzen und das merkt man an Ihren Augen. Geben Sie das weiter an alle, die es brauchen!“

 

Ich war gerührt und antwortete lächelnd, dass ich das versuche zu tun, sehr gerne sogar …

 

Eine bessere Referenz kann es nicht geben, weshalb ich auch so dankbar bin!

 

 

 

Selbiges wünsche ich Euch! Zur richtigen Zeit werden sich die richtigen Dinge fügen, darauf habe ich schon lange vertraut indem ich mein Handeln danach orientierte, was mein  Herz gesagt hat, und mir eines NICHT nehmen lassen:

Das aufrichtige und daher unverfälschte Leuchten in meinem Innern …

 

Und somit folge ich dem Rat der betagten Dame und nutze auch diesen Weg um ein bisschen davon weiterzugeben indem ich Euch daran zu erinnern versuche, auf das zu vertrauen, was alles in EUCH steckt!

 

 

Herzlichst

 

Jasmina

 

 

P.S.:

Ich finde Schwäne so schön, stehen sie doch für Reinheit und Licht, Reifung und Vollendung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

August 2019

 

 

Ihr Lieben,

 

 manchmal muss man einfach stur und geradlinig seinem Weg folgen, sich nicht niederstrecken oder beeindrucken lassen … weiterlaufen, einfach unerschütterlich weiterlaufen! Auch wenn es anstrengend ist und Kraft kostet … auch und gerade dann, wenn man fassungslos dasteht ob der Weise, wie mit einem umgegangen wird … auch dann, wenn man sich nur auf sich selbst stützen kann … auch, wenn man sich fühlt wie „David gegen Goliath“ …

 

 Erst recht, wenn es den Anschein hat, als wäre man in einem schlechten Film … wenn Geschehnisse das Hirn dazu veranlassen dem Glauben zu erliegen „das kann doch alles nicht wahr sein“ … wenn bestimmte Vorkommnisse oder Umgangsformen lähmen wollen …

 

 Mich hat es in den vergangenen anderthalb Jahren in gewisser Weise sehr beeinträchtigt und mürbe gemacht und doch habe ich vom Grunde meines Herzens nicht eingesehen, mich zu beugen, den Kopf zu senken und die „Klappe zu halten“ … nicht, wenn es absolut zu Unrecht geschieht oder gar sich anfühlt wie ein offensichtlicher Verstoß der Achtung der Würde  – NÖ!

 

Ich kann nur jedem von Euch ans Herz legen: Steht auf für Euch selbst – denn ein anderer wird es nicht stellvertretend für Euch tun! Und sich nicht zu wehren bedeutet letztendlich, einer entwürdigenden Umgangsform zuzustimmen sowie selbst nicht davon überzeugt zu sein, einen respektvollen Umgang zu verdienen – was ja völliger Blödsinn ist! Jeder, sofern er nicht als Jack the Ripper identifiziert ist, verdient einen respektvollen Umgang. Es sei denn, er fällt durch wiederholtes Missachten der Anerkennung der Würde oder gar Schlimmeres auf! Sich selbst mehr wert zu sein, als das, was man in solchen Fällen erhält, ist legitim! Mehr noch, es hält schlechtes Benehmen oder Auftreten im Zaum, insbesondere wenn dieses unangebracht ist - bis hierhin und NICHT weiter!

 

 Es macht ein so viel besseres Gefühl, wenn man alles versucht hat, jeden Hebel in Bewegung setzt, um für das einzutreten, was einen kennzeichnet und ausmacht. Es lohnt sich und ich persönlich würde es immer wieder tun!

 

 Ich habe so unendlich viel über mich gelernt, gerade in den vergangenen Monaten. Ich habe wieder angefangen zu schreiben – mich auf das zu besinnen, wer ich bin und ich so sehr vermisst habe tun zu dürfen, aber nicht ändern konnte und deswegen kapitulierte. Ich durfte erkennen, wie viel Power in mir steckt, wenn ich meine Werte eben NICHT verrate. Dass ich im Gegensatz zu dem Image der „Missbrauchsbetroffenen“ alles andere als leicht umzuwerfen bin, sondern längst weit darüber hinaus eine Entwicklung durchlaufen habe, die sich erhebt, gegen das, was moralisch verwerflich ist! Und ich werde diesen Weg auch zukünftig beibehalten, egal wann, egal wo, egal, wer da meint, mich aus Lust und Laune demontieren zu müssen – auf besonnene Art und Weise sich einem solchen Verhalten entgegenstellen, mit Bedacht handeln, vorausschauend agieren, nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, mit Würde mein Haupt heben und den Rücken durchstrecken, meinem inneren Kern treu bleiben und das uneingeschränkt!

 

 Letztendlich kann man Bösartigkeit mit einem reinen als auch gutem Gewissen sowie daraus resultierendem Handeln im Zaum halten oder in die Schranken weisen. Ich möchte am Ende meines Lebens nicht dastehen und zurückblicken müssen auf Dinge, von denen ich bereue, sie nicht getan zu haben  … von wegen „hätte ich doch damals“ … kann man sich schenken, bzw. bleibt einem erspart, wenn man es tut, wenn die Zeit da ist … und Gelegenheiten bieten sich immer wieder aufs Neue! Man kann sich durchaus neue Perspektiven schaffen und gewinnt schneller wieder an Boden unter den Füßen, als man zuvor gedacht hätte …

 

 Ich möchte, wenn meine Zeit gekommen ist, wissen, dass es sich gelohnt hat, gelebt zu haben, weil ich stets für das einzutreten bereit war, was mir am Herzen liegt! Selbst negative Erfahrungen tragen immer eine Chance in sich, auch wenn man diese (zugegeben) häufig erst rückblickend erkennen kann … nichtsdestotrotz ergeben sich eben diese Chancen, gerade weil man einen bestimmten Weg oder auch ein Ziel verfolgt, eine Richtung oder Einstellung, eine Intention, eine Überzeugung im Herzen bewahrt und diese unbeirrbar mit Lebendigkeit füllt!

 

Lasst Euch nicht nehmen, wer Ihr seid!

 

In diesem Sinne frei nach den Worten von Eugen Roth:

„Ein Mensch blickt in der Zeit zurück und sieht,

sein Unglück war sein Glück!“

 

 

 

Herzlichst Eure

 

Jasmina

 

 

P.S.: „LOTTA und das Ding mit der Menschlichkeit“ kommt … bald! Und nach und nach werden auch die bereits bestehenden Ebooks als Print-Ausgabe erscheinen … in Kürze!