Der Mensch ist schon grotesk irgendwie

 

 Der Mensch ist ein völlig außer Art geschlagenes Tier irgendwie – klingt nicht nett, das musste Lotta schon einräumen. Dennoch gab es da so gar keine Luft nach oben. Es war so, ohne Frage! Die Tiere hatten eine grundsätzlich ergiebige Rechtfertigung, genannt „Instinkt“ als auch „Evolution“ – der Mensch nicht und zwar sowas von überhaupt nicht! Im Gegenteil, die Weiterentwicklung des Menschen war ein untrüglicher Beleg für sein Scheitern und das auf ganzer Linie – nicht nur im Hinblick auf das Thema „Menschlichkeit“! Wobei bei genauerem Betrachten sich die Umstände, in denen der Mensch lebt, weiterentwickelt haben, der Mensch an sich jedoch nicht wirklich!

 

  Wovon war „Menschlichkeit“ denn nun eigentlich abhängig zu machen? Lotta schossen Begriffe wie „Sozialverhalten“ und „asozial“ durch den Kopf. Könnte ein Hinweis sein. Allerdings verfügten unsere tierischen Mitbewohner auf diesem Planeten ebenfalls über etwas, das sich damit messen lassen konnte. Gerade die Hyäne, vermutlich eines der unbeliebtesten Tiere überhaupt, wird als außerordentlich „sozial“ beschrieben. Sie kümmern sich intensiv um ihren Nachwuchs, eine der generell wichtigsten Aufgaben! Sie haben strenge hierarchische Ordnungen und folgen bestimmten Regeln. Die Anführerin ist immer weiblich, ihr Rang wird automatisch an ihre Töchter weitervererbt und alle darunter stehenden Weibchen haben das zu akzeptieren. Männliche Nachkommen verlassen das Rudel, bzw. hier den „Clan“ und findet sich ein anderes Männchen, das sich anschließen möchte, muss es sich seinen Platz erst erarbeiten. Beginnen tut es dann in der Rangordnung ganz unten, noch unter dem Nachwuchs des niedrigsten Weibchens. Je höher der Rang, umso eher Zugang zur Beute als auch das Recht, sich fortzupflanzen. Die stärksten Gene werden daher weitergegeben mit der Gewährleistung zum Bestehen der Art. Inzucht ist komplett ausgeschlossen.

 

 Bedeutet ein ausgeprägtes „Sozialverhalten“ zu haben demnach nichts anderes, als festen Strukturen unterworfen zu sein und diese bedingungslos einzuhalten? Nur die Schlauen und Starken dürfen sich vermehren und alle anderen halt nicht? Stimmt so aber auch nicht, eine schlaue Hyäne kann rein theoretisch eine dämliche Tochter bekommen, die trotzdem eher fressen darf, als vielleicht das fuchsige Kind der am unteren Rang sich befindlichen Mutter. Irgendwann käme das dann allerdings zum Tragen, wenn der Nachwuchs älter wird und sich zu behaupten lernt, dann kann sich der Spieß aber auch schnell mal umdrehen – schon spannend!

 

 Man könnte ja auch auf die Idee kommen, dass das, was die Hyäne an sich tut oder wofür sie bekannt ist, letztendlich „sozial“ ist. Sie dient dem Ganzen, indem sie Aas beseitigt inklusive Knochen. Sie frisst ja wirklich alles und macht auch gerade das Unliebsame platt. Sie säubert damit die Welt, in der sie lebt, sprich ihr Revier von dem, was ansonsten verderben und faulen würde, übel riecht und Schädlinge auf den Plan ruft. Damit dient sie eindeutig und unzweifelhaft dem Schutz eines gesunden Überlebens aller anderen!

 

 Wir alle kennen diesen fiesen Geruch, wenn man in die Nähe einer Mülldeponie kommt. Da brennen einem gefühlt beim bloßen Einatmen der Umgebungsluft ja schon fast die Atemwege weg. Gibt es in der Natur in dem Maße nicht – dank der Hyäne, den Aasgeiern und etlichem Kleingetier, das aufräumt, was andere hinterlassen. Allerdings bleibt den Tieren diesbezüglich keine Wahl, sie stellen das aber auch nicht in Frage, sondern folgen ihrem Instinkt und daher der ihnen zugedachten Aufgabe. Sie fügen sich dem großen Ganzen in Achtung desselben.

 

 Dem Menschen jedoch bleibt sehr wohl eine Wahl! Wir produzieren Müll, also müssen wir auch für die Entsorgung gerade stehen – eigentlich müssten wir das. Wäre uns eine bedingungslose Anpassung an die natürlichen Gesetze wichtig, dürften wir nur das produzieren, was wir, ohne Rückstände zu hinterlassen, auch beseitigen können – tun wir aber nicht, tun wir schon lange nicht mehr! Mit Fortschreiten der technischen Entwicklung ist dieser Plan, wenn es ihn denn mal gegeben haben sollte, komplett überholt! Mehr noch, wir haben so gar keine Hemmungen, unseren Müll tonnenweise in die ärmsten Länder dieser Welt zu verfrachten (für teuer Geld letztendlich), wo dann unter anderem auch Kinder barfuß in den beißenden Gerüchen als auch scharfschneidenden Dosenresten, Verpackungen oder Flaschen herumwühlen, um was auch immer zu finden, das sich für sie noch zu Geld machen lassen könnte. Menschen leben in nicht überschaubarer Anzahl auf dem Abfall der reichen westlichen Welt, tausende Kilometer von dort entfernt, wo er entstanden ist. Sie leben auf dem Unrat und Schrott, der auf einer, man könnte fast schon sagen anderen kontinentalen Platte seinen Ursprung hatte, um ihr eigenes Überleben etwas leichter zu machen. Als ginge es denen dort im Vergleich zu uns nicht schon schlecht genug!

  

 Und alles das, weil wir damit überfordert sind, unsere Hinterlassenschaft ordnungsgemäß zu sortieren, sprich, sie so zu trennen, dass eine qualifizierte Weiterverarbeitung im Sinne einer Aufbereitung, auch Recycling genannt, ermöglicht und umgesetzt wird. Es würde ebenso bedeuten, auf alles, was nicht weiter verwendet oder sachgerecht entsorgt werden kann, uneingeschränkt zu verzichten, der Ehre als auch des Pflichtbewusstseins wegen! Man könnte es aber auch vollkommen anders betrachten – man könnte auch auf die Idee kommen, dass es den Menschen hierzulande sowas vom am Allerwertesten vorbei geht frei nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“! Man verkennt die Notwendigkeit des verantwortungsvollen Umgangs, mit dem was in unserem Alltag Relevanz hat und ist sich dessen noch nicht einmal bewusst, geschweige denn, dass man darauf aufmerksam gemacht werden möchte. Das hat ja noch nicht einmal ansatzweise etwas mit einer Form von Achtung zu tun!

 

 Wie kann man denn ernsthaft noch in den Spiegel schauen oder des Nachts gut schlafen, wenn man weiß, dass aufgrund des eigenen Handelns die Ärmsten unter den Armen hohe, nicht zu verantwortende gesundheitliche Risiken eingehen müssen, um das Beste aus dem zu machen, was man diesen als unhaltbare Belastung aufgetragen hat, einfach mal so? Nicht einmal das kriegen wir hin und sind dann auch noch so dreist, anderen das alles aufzuhalsen – nach uns die Sintflut, mir doch egal! Die Menschen, die entschieden haben, unseren Unrat genau dort hin zu verfrachten und das zu allem Entsetzen auch noch skrupellos in die Tat umgesetzt haben, dürfen sich an dieser Stelle direkt und unmissverständlich angesprochen fühlen, keine Frage! Wie kann man denn so abgebrüht sein, solche Entscheidungen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte zu treffen? Was genau ist kaputt bei euch?  

 

 Auch wenn es nicht jedem gelingt, so geben sich die meisten der hier lebenden Mitmenschen Mühe, ihren Müll zu trennen und die Umwelt nicht zu belasten, indem man einfach mal was durch die Gegend schmeißt. Sie versuchen, den gesetzlichen Vorgaben wie gelber Sack, Altpapier etc. Folge zu leisten in dem guten Glauben, dass es Sinn macht, sich daran zu halten. Sie fahren zur Mülldeponie oder zum Wertstoffhof und bringen dort hin, was sich anders nicht entsorgen lässt und müssen dann im Nachhinein irgendwann die bittere Erkenntnis schlucken, dass es wieder irgendwelche Vollpfosten gab, die damit andere Pläne hatten. Man fühlt sich nicht unwesentlich an der Nase herumgeführt und das auch noch zu Recht! Ohne Zweifel sah Lotta sich nicht nur die Hände vors Gesicht gepresst am Boden der Untiefen sitzen bei diesen Gedanken, nein – sie weinte bitterlich vor Abscheu als auch Fassungslosigkeit!

 

 Natürlich gibt es auch die „anderen“, die da sagen „kann doch ich nichts dafür, wenn irgendwelchen Firmen die Verschiffung unseres Mülls ins Ausland halt einer fachgerechten Entsorgung hierzulande vorziehen“, was vermutlich mehr Kapital verschlingen würde als man einzusetzen bereit ist … Jene „anderen“, deren „Scheiß-egal-Stimmung“ mit einer absolut unverständlichen Bestimmtheit wie ein Schild vor sich her getragen wird und die zu den „alles-und-jedes-Leugnern“ dieser Gesellschaft gehören und selbiger nicht unerheblichen Schaden zufügen, weil sie sind, wie sie sind – sorry! Diejenigen, die sich anarchische Grundzüge aneignen und sich in dem Irrglauben befinden, dass es schon okay ist, so zu sein wie sie eben sind. Die in sich das Recht verankert sehen, keine Regeln befolgen zu müssen, warum auch immer! Das sind die, denen wir es zu verdanken haben, dass es uns passiert, dass man mitten beim Waldspaziergang über dort entsorgte Autoreifen oder gar eine defekte Waschmaschine stolpern könnte! (Wobei man sich hier ja nun wirklich fragt, warum, wenn man sich schon die Mühe gemacht hat, den ganzen Schrott auf einen Anhänger zu laden, es nötig war, mitten in die Natur zu fahren!) Das sind genauso auch die, die es zu verantworten haben, dass man auch kaputte Fahrräder in Flüssen oder Kanälen versenkt findet oder aber kategorisch respektloser Vandalismus vorkommt! Das sind auch ohne Zweifel die, welche ihren Frust auf dem Revers vor sich her tragen und jeden abstrafen, der ihren Weg kreuzt, ohne einen Anlass geliefert zu haben! Das sind die, die das rabiate Austeilen für sich gepachtet haben, weil ihnen jegliche Reflexion fehlt, da sie vehement die Überzeugung heraus posaunen, Regeln wären ausschließlich für andere gültig! Die, die meinen ungestraft herumpöbeln zu dürfen und bei denen gnadenloses Ausleben von Aggression zur liebsten Freizeitbeschäftigung gehört! Dummerweise für alle anderen sind es aber auch gerade die, die in totaler Verkennung des Gesamten es überaus genießen, Angst zu verbreiten und sich daher auf einer sicheren Position zu befinden glauben. Die, die sich leider auch am allerwenigsten selbst begegnen wollen würden, wenn man mal ehrlich ist! Das sind gerne auch mal die, die steif und fest behaupten, es seien immer nur die „Großen“, die Übles verzapfen, weil wenn überhaupt sind sowieso nur die anderen Schuld – läuft bei uns! Das unanfechtbare Versagen anderer wird als Rechtfertigung zum eigenen, offensichtlichen Fehlverhalten herangezogen. Was den Großen erlaubt ist, darf in der folgerichtigen Konsequenz den Kleinen, dem Rest der Gesellschaft nicht versagt werden … oder so ähnlich! Wirklich? Ist das so richtig ausgedrückt?

 

 Ihr wisst schon, jene „Großen“, die Politiker und Vorstandsvorsitzenden, die mit der eingebauten Macht, die das Grundwasser gefährdende Flüssigkeiten einfach mal im Boden versenken oder verunreinigte Substanzen in Flüsse geleiten, wegen weil wir wissen nicht wohin damit und eine saubere Lösung interessiert uns auch nicht! Die, welche Entscheidungen treffen unter der Vorgabe im Sinne der Allgemeinheit zu entscheiden, und doch wieder und wieder damit auffliegen eben genau das nachhaltig zu missachten, teilweise sogar ganz bewusst. Die mit einer durchaus fragwürdigen Selbstverständlichkeit und mit Nachdruck Unsummen für schon vor Inangriffnahme zum Scheitern verurteilte, vollkommen irrsinnige Projekte herausschleudern, was durchaus gerechtfertigten Frust und Bestürzung gedeihen lässt! Was man aber dennoch ignoriert, wegen weil man ist sowas von geübt darin, sich herauszureden, Fragen nicht direkt beantworten zu müssen! Wo scheinbar um den heißen Brei herumzulabern eine Disziplin ist, die strategisch eingesetzt unfassbare Arroganz sichtbar macht, auf die man zu allem Überfluss auch noch stolz zu sein scheint! Entblößt zu werden setzt wider Erwarten nicht etwa Scham oder ein Innehalten/Umdenken mit Erkenntnis oder gar Reue in Gang, sondern bewirkt sonderbarerweise noch das Gegenteil! Der Shitstorm in der Öffentlichkeit beruhigt sich früher oder später ganz sicher wieder und wer geschickt genug ist, bezahlt entsprechende Köpfe dafür, dass sich die Gemüter auf etwas anderes konzentrieren, sie von jemandem oder einem Sachverhalt abgelenkt werden, der ja noch viel verwerflicheres im Sinn hatte und bis dato halt nur noch nicht aufgeflogen ist! Die Großen, die uns nicht wirklich ernst nehmen und dafür sorgen, dass sie ihre eigenen Taschen füllen, weil die haben ja auch tatsächlich Not – keine Frage, konnte Lotta voll und ganz verstehen, bemitleidenswert aber auch diese von der Macht „gebeutelten Seelen“! Sie sind tatsächlich zu bedauern, nur in einem völlig anderen Sinn …

 

 Das uneingeschränkte Missverhältnis, das mit voller Absicht der westlichen Welt auf einer bewusst getroffenen Entscheidung beruht, gipfelt nicht nur in diesem Beispiel hier. Von Wertschätzung, Achtung oder gar der Bereitschaft, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, ist hier nicht zu reden! Zum Thema „Menschlichkeit“, dachte Lotta, müsste man an dieser Stelle geflissentlich die Klappe halten und den Kopf vor Scham errötet senken. Das wäre in der Tat ein Moment, an dem ein solches Verhalten angebracht wäre und zwar bedingungslos!

 

 Anders die Natur: Würde man einen Aasgeier fragen, ob er lieber ein frisch verendetes Tier verspeisen würde als eines, das schon seit drei Wochen vor sich hingammelt, dann wäre ihm das vermutlich egal. Er nimmt, was er kriegen kann. Genau genommen ist er sogar darauf spezialisiert, längst Verdorbenes, mit Verwesungsgasen Aufgedunsenes zu verspeisen. Auch wenn sein nackter Hals als auch Kopf äußerst hässlich anmuten, erfüllen sie doch ihren Zweck. Dieses Vergraben und sich Hineinbegeben in den möglicherweise großen Kadaver wäre für die dort befindlichen Federn ziemlich unpraktisch, insbesondere im Hinblick auf die anschließende Säuberung des Gefieders. Er braucht sie dort nicht und er frisst, was ansonsten zu erheblichem Schaden führen kann. Durch die Verwesung werden Gewässer und andere Umgebungen verschmutzt. Käme da nicht der Geier und würde sich dieser sicherlich makaber wirkenden Aufgabe widmen, bekämen wiederum andere Lebewesen ernsthafte Schwierigkeiten. Sie könnten sich vergiften, was der Geier aufgrund seiner zigmal schärferen Magensäure nicht zu befürchten hat. So manches Tier in der Natur darf getrost dankbar sein, dass der Geier quasi als Gesundheitspolizei in Erscheinung tritt und auf diese Weise Infektionsquellen ausschaltet. Für diesen Job musste man auch nicht wirklich schön sein – stellte Lotta schmunzelnd fest. Mal abgesehen davon, dass der Geier, obwohl Fleischfresser, im Gegensatz zu anderen dieser Gattung, nicht selbst tötet um satt zu werden. Schon spannend, dass sein Ruf ihm in keinster Weise gerecht wird!

 

 Ein Ruf, der ihm Ablehnung einbringt. Schließlich lauert er ja auch manchmal darauf, dass ein verletztes Tier endlich den Geist aufgibt und hilft unter Umständen sogar nach, was die Qual des Verendenden deutlich verkürzt, indem er zu picken beginnt. „Mal gucken, ob du schon hinüber bist!“ Ihm wird nicht mal ansatzweise bewusst sein, dass das, was er tut, auf uns Menschen sonderbar wirken könnte. Warum auch? Er folgt seiner Aufgabe und damit gut. Dementsprechend kreisen sie über dem Sterbenden eben „wie die Geier“, kennen wir auch unter uns Menschen, allerdings mit völlig anderer Bedeutung!

 

 Bei uns hat das immer einen negativen Beigeschmack obwohl das Vogeltier an sich da nichts für kann und bei eingehender Betrachtung auch nichts tut, um diesen Eindruck zu vermitteln. Unter uns hingegen ist eine solche Bemerkung immer mit Habgier verbunden, wenn da Individuen lediglich aufs Erbe lauern und den Tod der/des verblichenen Verwandten so gar nicht von Herzen bedauern – das sind dann diejenigen, die wenig „sozial“ sind, oder? Wenn auch nicht die Regel, so gibt es diese Menschen doch. Diese Individuen, die total genervt sind und so gar keinen Wert auf zwischenmenschliche Regungen legen … die längst dem verfallen sind, was Distanz oder Abstand nach sich gezogen hat. Natürlich muss man vor dem menschlichen Hintergrund in Erwägung ziehen, dass vielleicht das eine oder andere dahinscheidende Leutz selbst für die Verachtung verantwortlich zu machen ist, die ihm in einer solchen Situation entgegengebracht wird. Einem „Jack the Ripper“, hätte man gewusst wer er ist, würde man auch nicht liebevoll das letzte Geleit geben, wobei es noch nicht einmal solcher Taten bedarf, um sich das Wohlwollen der nächststehenden Verwandten zu verbocken! Das schaffen einige schon mit weniger abscheulichen Handlungen, aber bekanntlich ist auch das Grauen an sich nicht auf blutige Aktionen zu beschränken, im Gegenteil! Dennoch geht es auch andersrum, dass eben nicht das alles Lebendige hinter sich lassende Geschöpf, welches in den letzten Zügen liegt, das charakterlich zweifelhafte ist, sondern hin und wieder ist es auch die Nachkommenschaft, die den gemeinsam begonnenen Weg irgendwann im Laufe der Zeit verlassen hat. Manchmal opfern Menschen die übermittelten Werte, ohne dass ein ersichtlicher Grund für ein solches Vorgehen Verständnis oder Mitgefühl mit sich bringen könnte. Die stehen dann trotzdem Gewehr bei Fuß, sobald es etwas zu erben gibt und halten die Hand auf, brechen unter Umständen sogar noch einen Streit vom Zaun mit einer Vehemenz, die nur wundern lässt. Man darf wirklich froh darüber sein, dass diese Verhaltensweise, wenn auch klar dem Menschen zueigen, nicht eine ist, die allgemeine Gültigkeit hat, sondern lediglich vorkommen kann. Nicht mehr aber auch nicht weniger!

 

 Der Geier oder die Hyäne folgt der Aufgabe der Bereinigung, was allen anderen von Nutzen ist und ihnen hilft, sie im Weiteren sogar vor Infektionen und Vergiftungen bewahrt. Der menschliche gierige Erbe folgt dem Trachten nach Besitz oder Reichtümern, was wohl eher nicht dem großen Ganzen dient und damit nicht sozial ist oder sein kann. Ist es so einfach? Kann man das so stehenlassen und als gegeben ansehen, dass jeder, der etwas tut, das nicht dem großen Ganzen dient, sich „asozial“ verhält? Eben nicht tut was er tut, weil er einer Aufgabe nachkommt … Sind dann alle, würde man diesen Gedanken weiterspinnen, die Reichtum scheffeln und sich die Vorratskammern aus purem Eigennutz vollpacken, tatsächlich asozial? Oder besser noch jene, auf deren Mist die Umstände gewachsen sind, dass alles, was wir hier nicht ordentlich bereinigen können ins weit entfernte Ausland verfrachtet wird? Die sind ganz sicher asozial, weil es nicht nur in keinster Weise dem großen Ganzen dient – es legt sogar noch einen drauf indem es anderen, die nun überhaupt nichts dafür können, lebensgefährliche Konsequenzen aufbürdet. Die hat niemand gefragt, ob das für sie okay wäre im Müll des Westens heranwachsen zu müssen!

 

 Ist es „asozial“ in den größten Dürregebieten der Welt, Brunnen zu bauen und den dort gebürtig Lebenden ihr eigenes Wasser teuer zu verkaufen? Kann man das als sozial betrachten, wenn der Zugang zu natürlichen Ressourcen eingeschränkt und auf ausbeuterische Weise ausgerechnet jenen zugute kommt, für die ein Luxusurlaub auf den Malediven oder Bali zum Lebensstandard gehört? Und alles das nur deswegen, weil man es kann – nicht, weil man es muss! Die Größenordnung der Konzerne, die so etwas entgegen aller jemals in Worte gefassten Wertvorstellungen geschweige denn eines christlichen Gedankenguts Realität werden lassen, würden vermutlich nicht einmal tatsächlich Einbußen davon tragen, würden sie die Brunnen kostenlos bauen! Denen bräche kein Zacken aus der Krone, würden sie Verantwortung übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen. Aber sie entscheiden sich für das Gegenteil! Sie verkaufen dir das, was dir sowieso gehört für teuer Geld, welches du eigentlich nicht hast und für anderes benötigen würdest, damit du Zugang hast zu dem, was man zwingend zum Überleben braucht. Ohne Nahrung kann man eine Weile länger überleben als ohne Wasser. Wer so etwas tut, ist nicht nur ein bisschen oder vielleicht „asozial“, der ist es ganz sicher und das aus tiefstem verwerflichem Kalkül heraus, weil man es halt kann!

 

 Und das alles wird noch getoppt dadurch, dass niemand so ein Vorgehen gegen unsere eigenen Artgenossen aufzuhalten vermag. Selbst wenn ein solch schändliches Handeln publik wird, geschieht den Verantwortlichen außer ein bisschen Shitstorm nicht wirklich etwas. Es gibt keinen aktiven Gegenwind, der ein Aufheben solch widerwärtigen Verhaltens einfordert – nichts, was dieser Macht ernsthaft und nachhaltig entgegenzutreten fertigbringt. Warum genau ist das so? Wie kann das sein?

 

 Lotta war völlig unbegreiflich, wie derartiges überhaupt zustande kommen konnte! Sitzt man gemütlich beim Gläschen Wein auf der Dachterrasse oder im Penthaus, hoch über welcher Stadt auch immer, betrachtet leicht angeduselt die Skyline und blödelt einfach mal so vor sich hin bis irgendwer dann raushaut, im Eifer des Gefechts: „Mir kommt da grade eine Idee: Bauen wir doch in Afrika Brunnen und verkaufen denen ihr Wasser in Flaschen. Die können dann froh sein, wenn sie nicht mehr selbst mühsam pumpen müssen. Ist ja auch anstrengend ewig weit zu laufen und dann in Kanistern auf dem Kopf durch die Steppe und so! Wenn sie es in transportierbaren Mengen abgefüllt und zu Trinkwasserqualität aufbereitet kaufen können, tun wir denen sogar noch einen Gefallen – Prost!“ Und dann kommt wem anders in den Sinn: „Klar, wenn wir das gegenrechnen sind die Kosten für den Brunnen in einer Woche wieder drin, das rentiert sich mit Sicherheit schon nach kurzer Zeit und der Aufwand, um das hinzukriegen, bringt uns wirtschaftlich nur Vorteile, und das sogar auf Dauer! Hey, da fällt mir ein, meine Frau wollte eh mal wieder nach Dubai in den Burj Khalifa – hat ihr so gut gefallen beim letzten Mal!“ Lotta war total egal, ob es dabei um welchen Ort auch immer auf diesem Planeten ging, der für Erholung sorgte, vielleicht waren es auch regelmäßige Shoppingtouren auf den teuersten Einkaufsstraßen unserer Metropolen – das spielte letztendlich keine Rolle. Sie konnte sich absolut nicht vorstellen, dass man solche Erleuchtungen unter Ausschaltung jeglichen Gewissens nüchtern und berechnend im Konferenzsaal im Beisein aller Vorstandsvorsitzenden trifft. Wobei – die eigentliche Durchsetzung solcher Handlungen erforderte vermutlich eben genau das, eine Sitzung auf der alle profitbringenden Maßnahmen grünes Licht erteilt bekommen. Ist das eigentlich noch „gesund“, wenn man so tickt?   

 

 Fakt ist, dass ausgerechnet jene vom Unglück derer profitierten, die es am wenigsten nötig haben! Eigentlich könnte man sogar dahergehen und behaupten, dass es vorkommt, dass ein solch horrender Gewinn gerne mal dann hartnäckig und entgegen aller moralischen Werte durchgesetzt wird, wenn es auf dem Kummer und der misslichen Situation des Schwächeren basiert. Am Boden liegende werden noch so belastet, dass sie sicher dort liegen bleiben, damit einige wenige ihren ohnehin schon ausufernden Reichtum weiter anhäufen können!

 

 Dieser Umstand, der sich in zahllosen Fällen des menschlichen Umgangs miteinander wiederholt, ist praktisch eine fundamentale Säule des gesellschaftlichen Daseins. Eine Schande für das Ding mit der „Menschlichkeit“ … wie Lotta fand! Was sie jedoch am Meisten daran innerlich in Aufruhr brachte, war die Verkennung und die eindeutig fehlerhafte Anwendung von „Macht“. Macht wurde ausschließlich dafür eingesetzt, um unwürdige als auch menschenverachtende Umstände durchzusetzen! Was macht es eigentlich so unsagbar schwer, Macht anzuwenden, um sich gegen Unmenschlichkeit als auch Ungerechtigkeit aufzulehnen? Aber vermutlich würde es dann auch nicht „Macht“ heißen, sondern Stärke oder Charakter! Autorität, Herrschaft, Befehlsgewalt – alles das sind Zeichen von Macht! Humane Gesinnung, sittliche Werte, ethische Prinzipien, moralische Wertvorstellungen – alles das ist, wenn man ehrlich ist, nicht mit „Macht“ zu vereinbaren – groteske Welt, in der wir leben!

 

 

 

 

Totalausfall der Lernfähigkeit?

 

 Bei uns Menschen ist es doch eigentlich klar. Wer hart arbeitet und etwas für das Gemeinwohl tut, völlig unabhängig von der Aufgabe an sich, der darf auch davon profitieren, zu Recht! Er sollte ein Auskommen mit seinem Einkommen haben und wenn er halt entsprechend seiner Fähigkeiten sogar unter Umständen deutlich mehr hat, als er ausgeben kann, dann steht ihm das auch zu! Niemand würde daherkommen und einer hart arbeitenden Seele ihren Wohlstand neiden. Außer jene, die es halt aus eigenem Antrieb nicht schaffen. Wobei hier grundsätzlich zu hinterfragen ist, inwieweit eine Person Hilfe oder Beistand in welcher Form auch immer benötigt, um ihre Verhältnisse verbessern zu können. Leistung zu erbringen bis an den Rand seiner Kräfte und dennoch viel zu wenig zum Überleben zu haben, kann daher nicht richtig sein. So gar nicht richtig! Es gar nicht erst zu versuchen ist allerdings genauso wenig richtig!  

 

 Lotta konnte jene nicht wirklich verstehen, die schon mehr als genug hatten und immer noch nach mehr trachteten – die, die ohne Rücksicht auf Verluste sogar über Leichen gingen … warum? Aus Habgier? Wenn man mehr hat, als man jemals ausgeben kann, warum kommt es nur wenigen Leuten in den Sinn, damit etwas Nützliches zu tun? Naja gut, vielleicht wird der Grabstein an sich prachtvoller und die Blumenpflege an sich pompöser, die Kiste an sich prunkvoller und überhaupt! Und doch ist alles das ausgekochter Bullshit in Anbetracht der Tatsache, dass man unter der Erde liegend oder zu Asche zerfallen in einer Urne vergraben das ganze Kapital oder Papier in Form von materiellen Unsummen auf dem eigenen Konto nicht gebrauchen kann!

 

 Das Leben so angenehm wie möglich gestalten zu können, alles legitim und total in Ordnung. Denjenigen, die man liebt, zu selbigem zu verhelfen, kann jeder nachvollziehen. Grundlagen zu hinterlassen, etwas Bleibendes zu schaffen und damit unter Umständen Wege zu ebnen – alles gebongt! Aber riesiges Kapital zu horten, das man zu keiner Zeit benötigt? Das machen nicht mal Tiere! Auch wenn häufig mal umgangssprachlich die Rede davon ist, einer benehme sich „wie ein Tier“ und dieses dann despektierlich meint, kann man nur sagen, die Tiere haben es weitaus besser drauf als wir! Etwas so verabscheuungswürdiges wie es der Mensch wiederkehrend zustande bringt, ist in der Natur gänzlich ausgeschlossen! Beispiele dafür gibt es leider zu viele und selbst wenn man einmal anfängt, würde man nur einen Bruchteil dessen benennen können, was tatsächlich stattfindet!

 

 Lotta konnte nicht umhin, dem einen oder anderen Gedanken zu folgen. Sie dachte an die Elefanten und die gnadenlose Jagd auf sie. Sie dachte daran, dass es nur ein weiteres untrügliches Zeichen unseres erschütternden Scheiterns auf ganzer Linie war und damit fernab jeglichen Lernverhaltens. Der unfassbare als auch zutiefst bestürzende Umstand, dass sich hier zahlreiche Menschen bis zur Erschöpfung engagieren, um die Tiere und damit ihren Arterhalt zu schützen, die bewaffnet täglich Patrouille fahren müssen, um Wilderer zu stellen und deren Fallen zu beseitigen … trotz allem müssen wir dieses doch bloß als Tropfen auf einem wahnsinnig heißen, nicht abzukühlenden Stein ansehen. Sie dachte an die vielen Hilfsorganisationen, die widerrechtlich erworbene Güter aus Elfenbein beschlagnahmen und dem Handel entziehen, an die scharfen und eigentlich unantastbaren Gesetze, die erlassen worden sind und die dennoch fern jeglicher Einsicht hartnäckig gebrochen werden – alles das scheint für einen katastrophalen Beweis für das Versagen des Menschens an sich zu stehen. Selbst Versuche, das beschlagnahmte Gut zum Erwerb freizugeben, so den Mark kurzfristig zu überschwemmen und die Preise zu senken, ist erfolglos geblieben und hat letztendlich nur den gegenteiligen Effekt gehabt. Wir wissen es! Wir wissen, dass die Tiere wegen ihrer Stoßzähne auf grausamste Weise außerordentlich brutal abgeschlachtet werden, die Kälber neben ihren verendeten Müttern herumstreunen und dem Tode geweiht sind und trotzdem ist es absolut unmöglich, dieses zu unterbinden! Man muss den Hut ziehen vor jenen, die sich als absolut verantwortungsbewusste Menschen erweisen und sich der Elefantenjungen in rührender als auch aufopfernder Weise annehmen, um diese zu retten. Menschen, die aufgrund eines funktionierenden Gewissens als auch aus dem Glauben an ein Pflichtgefühl heraus die Kälber am Leben zu erhalten versuchen, um zu verhindern, dass die mächtigen Tiere bei voranschreitendem schändlichem Vergehen komplett ausgerottet werden! Und das alles geschieht nicht, weil Menschen Hunger leiden oder ein zum Überleben wichtiges Grundbedürfnis gestillt werden muss, nein – das geschieht wie es klarer nicht geht aus Habgier und der Besessenheit von etwas definitiv verbotenem!

 

 Es ist nicht anders mit den Weltmeeren, die einfach mal alles, was wir nicht brauchen, schlucken müssen. Was dort alles widerrechtlich versenkt oder hineingeleitet wird und das Gleichgewicht empfindlich stört, sodass wir schon die Konsequenzen spüren können, lässt sich nicht in Worte fassen! Die Ausrottung der Schildkröten, die, wir haben es alle nicht vergessen, lebend aufgeschnitten wurden wegen einer Suppe! Wir wissen, dass der Walfang nicht gestattet ist. Aus der Reihe fallen hier ganz sicher die Inuit, die ausschließlich zum Erhalt und zur Deckung ihres Grundbedarfs hin und wieder einen Wal erlegt haben und dieses weit entfernt davon ist, der Gattung an sich ernsthaften Schaden zuzufügen. Dieses Volk jagte, um zu überleben und hat auch das, was es hergab, komplett zu verwenden gewusst. Da blieben keine Kadaver oder Jungtiere hilflos zurück! Der übermäßige Fischfang an sich, der den in der Natur vorkommenden und dort heimischen anderen Arten ihre Nahrungsgrundlage nimmt, jedoch schon. Filme wie „Happy Feet“, die darauf aufmerksam machen, kennen wir, schauen wir und nehmen doch nichts davon auf unserem weiteren Weg mit. Wir ziehen keine nachhaltigen und alles verändernden Schlüsse daraus, die eindringlich unser Handeln in würdigere Bahnen lenken würden. Die Erkenntnis, dass man andere gefährdet und der Ausrottung einer Art überlässt, blenden wir aus – darin sind wir gut! Tatsächlich? Lotta verzog den Mund und konnte einen angewiderten Gesichtsausdruck nicht unterdrücken.

 

 Das sind nicht immer nur die anderen, die nicht lernfähig wären, das sind in so vielen Fällen tatsächlich wir selbst. Man denke nur an die Geschichte mit dem Fair Trade! Wie kann man denn allen Ernstes auf das schmale Brett kommen, dass es richtig ist, den Kaffee oder Kakao möglichst günstig genießen zu dürfen und derjenige, der es uns überhaupt gewährleisten kann, dass wir in diesen Genuss kommen, nagt am Hungertuch und kann nicht einmal seinen Kindern eine Schulbildung zuteil werden lassen! Warum genau ist dieser Mensch weniger wert als wir? Der puckelt sich mit harter körperlicher Arbeit wirklich krumm und ist am Ende des Tages nicht einmal satt, hat nicht genug, um sich von seinem zweifelsohne anstrengendem Tagwerk des Nachts zu erholen und voller Elan am Folgetag starten zu können! Wer von uns kann einen solchen Umstand als gegeben hinnehmen und ordnet sich dem bedingungslos unter, dass er offensichtlich behandelt wird, als sei seine Arbeit nichts Anerkennungswürdiges? Kennen wir auch hierzulande, Lohndumping und ähnliches. Menschen, die in ihren Jobs gnadenlos ausgebeutet werden, denen man unzumutbare Zustände aufbürdet und das als selbstverständlich erachtet. Anstatt aber die Bedingungen zu ändern, suchen wir nach denen, die es für noch weniger zu tun bereit sind und hoffen so, mit Null Voraussicht Löcher zu stopfen, die jedoch nur weiter klaffen.

 

 Warum haben wir sämtliches Feingefühl für das, was richtig ist, verloren? Hatten wir das denn jemals? Kommen wir aus dieser Nummer überhaupt wieder raus? Warum ist es so aus der Mode gekommen, etwas „Gutes“ zu tun oder seinen Mitmenschen gegenüber fair zu sein? War das denn jemals „Mode“? Hm – naja, um die Weihnachtszeit sind viele von uns quasi milde gestimmt und wir folgen den in Dauerschleife eingeblendeten Spendenaufrufen hier und da, was unser Gewissen beruhigen soll. Aber ansonsten? Was können denn die meisten von uns tatsächlich tun? Im Alltag oder auch grundsätzlich? Wenn man ehrlich ist, nicht wirklich viel außer vielleicht sich nicht so zu verhalten, dass es Anlass zur Beanstandung bietet. Will sagen, man könnte vermutlich die „Großen“, die Konzerne oder Alleinherrscher, die Despoten unter den moralischen und ethischen Totalversagern zu boykottieren versuchen, käme aber, so entsetzlich das auch ist, nicht wirklich zum Ziel! Vermutlich wäre das ein Regentropfen im gesamten Schauer weniger und der fiele nicht ins Gewicht. Demotivierend – durchaus, aber leider wahr!  

 

 Bleibt nur es im „Kleinen“ zu versuchen, also in dem, was ich steuern und beeinflussen kann, was mir das Gefühl gibt, etwas zu bewirken. Das tun ganz viele von uns! Sie tun es, indem sie sich ehrenamtlich engagieren oder sie tun es, weil sie sind, wie sie halt sind. Diejenigen, die immer ein offenes Ohr für die Sorgen anderer haben; diejenigen, welche erkennen, wann wer auch immer eine Hand im Rücken braucht und diese geben – einfach so, ohne anschließend einen Preis einzufordern. Diejenigen, die ihre Mitmenschen behandeln wie sie selbst behandelt werden möchten. Diejenigen, die christliche Werte leben, ohne sich dafür auf die Bibel berufen zu müssen. Diejenigen, die das von sich aus können – ganz ohne Beichtstuhl oder Unterwerfung welcher Dogmen auch immer!

 

 Mit allem Recht der Welt ist die junge und jüngere Generation wütend auf die vor ihnen existente - auf die Politik und die Industrien, die Konzerne, die uns alle wissentlich für dumm verkaufen und ihre Ziele nach ihrem eigenen Ermessen und zweifelsohne auch zu ihrem eigenen Vorteil strikt umsetzen. Und wir anderen? Wir haben es uns gefallen lassen, auch wenn wir wussten, dass da etwas schief läuft und zwar gewaltig! Wir müssen unumwunden eingestehen, wie wenig wir bereit waren, etwas zu tun, damit die wenigen tonangebenden Gestalten Farbe bekennen müssen und Konsequenzen für ihr Handeln zu tragen haben … Das sieht man ja schon daran, dass es einem Otto-Normalverbraucher nicht wirklich erlaubt ist, Steuern zu hinterziehen und man empfindlich auf die Nase bekommt, tut man es und wird dabei erwischt. Ganz anders Leute mit, ja – mit was denn? Mit einem großen Namen? Einem besonders menschenfreundlichen Charakter, der ja vorliegen muss wenn man Steuern in Millionenhöhe am Fiskus vorbeidirigiert, richtig? Wo besagter Otto-Normalverbraucher zwar vorübergehend mit dem Kopf schüttelt und nach einer Weile zu anderen Dingen übergeht. Wenn „Gras über die Sache gewachsen“ ist, kann man dem Wort eines solchen Individuums ja wieder Gehör schenken und diesem einen Posten zuteil werden lassen, der halt Verantwortung bedeutet, wegen weil es hat ja gezeigt, dass es verantwortungsbewusst ist … oder so in der Art. Zweifelsohne sind wir gut im Verdrängen und nicht mehr beachten. Jemandem, der sich offensichtlich nicht „sozial“ verhalten hat dennoch wieder Vertrauen entgegen zu bringen obwohl dieser sich selbst der Würdigkeit als untauglich erwiesen hat - was macht das schon, Schwamm drüber! Siegt denn immer der, der schlicht und ergreifend dreist genug ist und sagt „okay – erwischt, haut mir kurz auf die Finger und morgen ist das schon wieder Schnee von gestern“? Scheinbar!

 

 Lotta fand, dass sie einzuräumen hatte, wie wenig sie aufgestanden war gegen das, was definitiv ein Unrecht ist, auch und gerade weil es ihr nicht schmeckte das zuzugeben! Doch wenn sie ehrlich zu sich selbst war, blieb nur die Erkenntnis, nichts wirklich unternommen als auch sich dem vermeintlichen Lauf der Dinge ergeben, untergeordnet zu haben! Klappe halten und Kopf senken, eigentlich total unangebracht! Ob der Planet den Bach runter geht oder wir unseren Enkeln und Urenkeln erklären müssen, warum es weder Wale noch Elefanten in freier Wildbahn gibt, Klappe halten … ob die Zukunft unserer Kinder keine mehr sein wird und die Luft zum Atmen vollständig verseucht ist, unsere Meere dreckig sind und der Boden nichts mehr hergibt, was man ernten könnte … der Regenwald der Brandrodung zum Opfer gefallen ist und das alles, weil wir nichts getan haben was das aufhalten hätte können, obwohl wir wussten, dass es absolut notwendig ist! Wir haben den Wissenschaftlern mit ihren Prognosen über das Gletscherschmelzen nicht zugehört und alles andere ebenso gnadenlos ignoriert! Genau genommen kommen wir aus den Rechtfertigungen nicht mehr heraus, eine endlose Aneinanderreihung von Ausreden mit Erklärungsnot erwartet uns da. Die dafür Verantwortlichen, die, die es hätten steuern und beeinflussen können haben das Gegenteil von dem getan, was sie hätten tun müssen. Wir wussten es und haben nichts wirklich unternommen – Kopf runter und Klappe gehalten! Schon erbärmlich irgendwie … da gibt es nichts zu schmälern!

 

 Und doch gibt es zahlreiche gute Menschen, die absolut nichts mit dem „Gutmenschen“ zu tun haben, weil sie vom Grunde ihres Herzens aus gut sind und damit authentisch, jeden Tag wieder! Es gibt sie und sie sind weitaus mehr vertreten als alle anderen Spinner  … vermutlich sogar in der Überzahl, wenn auch nicht stimmgewaltig genug! Menschen, die tun, was sie tun, unermüdlich, um Übel oder andere Gräueltaten auszubügeln, wieder und wieder! Menschen, die allen anderen zeigen, was eine Harke ist, ganz ohne all diejenigen anzuklagen, die sich halt nicht engagieren … indem sie unbeirrbar tun, was sie tun – indem sie gut sind!

 

 Das Thema mit den „Gutmenschen“ an sich ist ja schon der nächste Brüller. Jeder von uns kennt solche Leute, die sich selbst unentwegt feiern und allen Ernstes für „gut“ halten, weil sie nicht mal 1% ihres monatlichen Einkommens wem auch immer gestiftet haben und damit einem vielleicht wirklich sinnvollen Projekt helfen. Böse formuliert: Ein echt krass tolles Konzept zu unterstützen mittels eines Almosens und deswegen gleich 10 Zentimeter über dem Boden zu schweben, macht niemanden zu einem moralisch einwandfreien Individuum. Was nützt es, Geld zu spenden, wenn ich charakterlich jeden Tag erneut meinen direkten Mitmenschen gegenüber ein Volltrottel bin, ein moralischer Totalausfall quasi!

 

 Natürlich aber braucht es auch jene, die halt finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, ohne die so manches Begehren elendig scheitern würde. Aber diese Menschen gibt es auch und die hängen es nicht an die große Glocke oder feiern sich selbst … diese tun es, weil sie gut sind! Wenn ich wirklich ein Mensch mit einem großen Herzen bin, der sich voller Hingabe öffnet um anderen Beistand oder auch finanzielle Hilfe zu geben, dann bin ich das auch im Alltag, nur dann bin ich authentisch. Das sind jene Seelen, die wir so sehr brauchen, die unsere Gesellschaft braucht. Jene, die mit einem ehrlichen Lächeln im Gesicht durch die Straßen gehen und sehen, die hinschauen und nicht so tun, als seien sie blind oder als ginge sie das alles nichts an! Jene, die halt kein Megafon mit sich führen, sondern deren kleine oder auch größere Geste einem Benachteiligten zugute kommt, der es dringend braucht. So viele Menschen hierzulande laufen mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck durch die Straßen, hetzen durch unsere Läden und tragen ihren Stress bei jedem Schritt mit sich. Es ist anatomisch betrachtet wesentlich anstrengender griesgrämig zu schauen als zu lächeln … die Muskeln sind wesentlich entspannter, wenn man die Sonne im Herzen trägt!

 

 Dennoch sehen viele nur sich und die Last, die sie selbst tragen. Was den Rückschluss zulässt, dass es hierzulande eben doch nicht alles so einfach ist … obwohl die Rahmenbedingungen sogar ziemlich günstig sein müssten … unser Dschungel oder unwegsames Gelände, unsere Dürreperiode oder auch der alles mit sich reißende Monsun, unser Übel sind die zahllosen Dogmen und festgelegten Maßregelungen, denen wir unterworfen sind. Gehorchst du nicht, gehst du über den Deister! Zumindest wenn du ein entsprechendes Individuum vor dir hast, dem seine Macht wichtiger ist als das Wohlergehen all deren, die ihn umgeben oder gar derer, für die er verantwortlich ist! Nichts anderes leben wir hier vor Ort, wo es uns doch eigentlich gut geht, gehen sollte, bzw. gehen könnte …

 

 Wir haben es so viel besser und sind weiter entwickelt als die Dritte-Welt-Länder, richtig? Wir sind ja schließlich der reiche Westen! Nein – so einfach, wie manch einer von uns glauben mag, ist es bei uns nicht! Zwar brauchen unsere Kinder selten tagelang durch die Pampa wandern, um zur nächsten Schule zu gelangen und das Wichtigste ist für uns erreichbar, ohne stundenlang für wenige Liter zur erreichbaren Wasserquelle laufen zu müssen, da reicht der Gang zum Discounter um die Ecke. Es muss ja nicht das Feinkostgeschäft mit seinen noblen Preisen sein, satt werden kann ich auch preisgünstig. Gleichfalls kann ich zum Arzt gehen, keine Frage. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich mir nicht jedes Medikament oder meinen Zustand erleichternde Maßnahmen leisten können, aber die Grundversorgung steht mir zur Verfügung. Auch wenn manch einer die eine oder andere Vorgabe hinsichtlich der medizinischen Vorbeugung von todbringenden Krankheiten missversteht und plötzlich ein eigenes Denkvermögen an den Tag legen zu müssen glaubt. Nicht alles, was aufgezwungen erscheint, dennoch wie eine Empfehlung ausgesprochen wurde, sollte unbeachtet bleiben wie zum Beispiel die unsagbar wichtigen Impfungen unserer Kinder gegen Erreger, die unbeherrschbar das Leben vieler anderer beenden könnten obwohl vermeidbar! Aber nun gut …

 

 Und doch – weigere ich mich, die hier gültigen Statuten einzuhalten, bewege ich mich schneller am menschlichen Abgrund als ich gucken kann. Natürlich lassen sich bei uns nicht so etwas wie die Favelas in Brasilien oder die wirklich erschreckenden Slums in anderen Teilen dieser Welt finden, wo Menschen in dieses Elend hineingeboren werden und selten bis gar nicht die Chance haben, dieses jemals zu verlassen außer mit den Füßen voran. Wo unabwendbar gerade auch kaum zu kontrollierende Gewalt einen fruchtbaren Nährboden findet und diese auch als Zeichen der Auflehnung angesehen werden kann sowie den dort herrschenden ärmlichen Umständen geschuldet ist. Lässt sich auch bei uns beobachten. Menschen, denen kaum etwas Lebenswertes bleibt, die dem Alkohol oder sonstigen Rauschmitteln verfallen und ihre Gefühle nur noch in gewalttätigen Ausbrüchen abgelten können. Die ihrer Wut, sei sie nun begründet oder nicht, keine andere Stimme zu geben fähig sind als wiederum andere, Schwächere, mit dem niederzustrecken, was ihnen zur Verfügung steht. Diese Stadtviertel oder zumeist am Rande gelegenen Gebiete haben auch wir, wo Armut und Elend hinter jeder Tür zuhause sind. Menschen, denen es an vielen Dingen fehlt, deren Kindern nicht mal eine warme Mahlzeit am Tag zur Verfügung steht. Erwachsene, die einfach nicht gelernt haben wie das geht, erwachsen zu sein oder die gnadenlos mit ihrer Situation überfordert sind und Hilfe dringend nötig haben. Menschen, wo die Sozialisation versagt hat wegen weil nicht stattgefunden und die zu allem Überfluss auch noch in dieser Lage belassen wurden, ohne die so wichtige helfende Hand hingehalten bekommen zu haben!

 

 Wie schnell kann man alles Wichtige verlieren? Manchmal bin ich selbst daran beteiligt, dass es so gekommen ist, aber es gibt auch etliche Fälle, in denen ich mich hilflos ausgeliefert sehe und urplötzlich vor dem Nichts stehe, gezwungen, dennoch den Kopf hochzuhalten, nach neuen Wegen zu suchen und sich tatkräftig durch das teilweise undurchdringlich anmutende Dickicht der Antragstellung bei den Ämtern zu wühlen und so weiter! Menschen, die einem dort sagen, was man haben darf und was nicht, denen gegenüber man blank ziehen muss, sein Hab und Gut offenzulegen und sich unterzuordnen hat, wenn man Hilfe braucht, um diese überhaupt zu erhalten. Man ist am Ende und vielleicht sogar am Boden liegend, wenn man bei Null neu durchzustarten hat. Der eine oder andere wird sich, nicht ganz zu Unrecht auch fragen, welchen Sinn ein wiederkehrendes Umsortieren oder Neuorientieren eigentlich macht, wenn es ja doch nie einen Punkt erreicht, an dem man sich „angekommen“ wähnen darf …

 

 Da gibt es soviel, was man zu bedenken hat. Zunächst muss die Existenz gesichert sein, man muss genug verdienen, dass man sein alltägliches Überleben sichern kann. Eine Bleibe mit Zugang zu Wasser und Strom sollte ebenfalls drin sein sowie ein Kühlschrank, der nicht schon ab Mitte des Monats mit gähnender Leere zum Hungern verdammt. Neben der Arbeit und der Zeit, die diese in Anspruch nimmt, braucht es ebenso Erholungszeiten, Phasen, die einen Ausgleich schaffen können … dabei ist noch nicht einmal von Urlaub im Ausland oder sonst wo die Rede! Auch uns bleibt nichts weiter zu tun übrig, als uns unterzuordnen. Oder? Kann man das so sagen?

 

 Vielen von uns, vielleicht sogar dem Großteil der Gesellschaft bleibt einfach keine Zeit, sich um internationale Probleme zu kümmern! Wir sind bis an den Rand damit beschäftigt, uns selbst über Wasser zu halten und für unsere Kinder zu sorgen. Den wenigen, die, wie man sagt, mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden, mag es augenscheinlich zwar besser gehen, tut es jedoch nicht zwangsläufig. So manch einer von denen, der, das stimmt zwar, keine überlebenstechnisch erforderlichen Fragen tagtäglich erneut zu klären als auch zu meistern hat, darf sich dann mit anderen Dingen rumschlagen. Mit Erwartungen, die er zu erfüllen hat, unter Umständen mit Etikette und einer Förmlichkeit, die aufgezwungen ist und der er sich zu unterwerfen hat.

 

 Fakt ist und bleibt, dass wir uns, sind wir bedingungslos ehrlich, in einer Schleife befinden, die nur schwer zu durchbrechen ist und die, schauen wir ebenso genau hin, einer Lernfähigkeit keinen Raum bietet. Auch wenn die Bedingungen, mit denen wir in dieses Leben starten, unterschiedlicher nicht sein könnten, läuft es doch, egal wo man hinschaut, immer wieder auf ein und dasselbe hinaus – Klappe halten und den Kopf gesenkt halten! Und warum genau ist das so? Wie kam es dazu?

 

 Die Natur kennt da keine Diskussion, so viel steht fest! In der Natur hast du entweder Glück, dass du in der Not auf ein bereits erlegtes Tier stößt, das niemanden mehr sättigen muss oder aber du bist gezwungen, dich selbst auf den Weg zu machen. Und hast du nicht gelernt, wie das geht, wirst du verhungern – Ende! Stirbst du, dienen deine leiblichen Überreste wem anders zum Überleben! Die Natur unterbindet so etwas wie Steuerung der Massen durch einige wenige und wenn es doch so etwas wie viele unter einem Dach, einer Herrschaft wenn man so will, gibt, dann funktioniert das eben auch bedingungslos. Man denke an die Ameise oder Termite, die, wie war das noch, nicht mit der Vereinigung vieler Individuen zu einem Gesamten umzugehen hatte. Dort herrscht konsequentes Einhalten und Umsetzen von Aufgaben – käme bei uns wohl einer Diktatur gleich. Was den Insekten jedoch gänzlich fehlt ist das Streben nach allumfassender sowie selbstgefälliger Macht, diese ist daher etwas ausschließlich Menschliches!

 

 Macht findet sich zwar auch in der Natur allein schon durch die Achtung des Stärkeren, welches sich territorial durchsetzen kann. Allerdings ist weder ein Wolf oder eine Hyäne, auch kein Löwe oder Eisbär auf die Idee gekommen, sich alles andere gnadenlos unterzuordnen. Habgier und Größenwahn finden ihr jähes Ende, weil sich früher oder später immer wer findet, der mehr drauf hat und dich zur Umkehr zwingt! Lotta war zumindest kein tierischer Despot bekannt, der alle anderen, unabhängig welcher Art auch immer, zur Unterwerfung gezwungen hat! Vielleicht ein bestimmtes Gebiet in der Savanne  oder dem Nationalpark betreffend, keine Frage, doch die ganze Welt, einzelne Länder oder gar andere Kontinente mit einbeziehend in die eigenen Machenschaften? Wohl eher nicht und das war auch gut so sowie vollkommen gerechtfertigt! Natürlich könnte man nun daherkommen und auf sowas wie Heuschreckenplagen kommen, die kennen auch keine Ländergrenzen – nö, müssen sie auch nicht. Die jagen da hin, wo sie das finden, was sie zum Überleben brauchen. Auch sie kommen in Scharen und machen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. Sicherlich auch eine Form von Macht, die ausgeübt wird und Überlegenheit demonstriert, allerdings jedoch nur solange, bis dem Ganzen aus welchen Gründen auch immer der Garaus gemacht wird. So etwas kommt und geht bekanntlich auch wieder!

 

 Nur der Mensch hat bezüglich der Macht andere Vorstellungen was einem Totalausfall der Lernfähigkeit gleichkommt! Gerade auch die Natur schlägt zurück und lässt uns unmissverständlich wissen, wie klein wir sind und ihrer Macht ausgeliefert. Sie zeigt es uns und führt uns vor Augen, dass wir nichts, eigentlich überhaupt nichts zu melden haben! Die zunehmenden Unwetterkatastrophen, die ausufernde Größen und Kräfte annehmen, denen wir nicht gewachsen sind, denen wir rein gar nichts entgegenzusetzen haben, sollten uns eines Besseren belehren. Unerträgliche Hitzewellen und die Klimaverschiebung, die den natürlichen Kreislauf außer Gefecht setzen, fordern ein Umdenken als auch die sofortige Korrektur unseres Umgangs mit der Natur. Wir kriegen auf die Mappe und ändern rein gar nichts! Warum genau war das nochmal so?