Die Krux mit der Toleranz!

 

 Nichts ist wichtiger, als das Wohlergehen und unbelastete Heranwachsen unserer Kleinsten, derjenigen, die uns eines Tages überholen werden und das zu übernehmen haben, was wir ihnen hinterlassen. Ob wir uns damit nun Mühe gegeben haben oder nicht, die Konsequenzen tragen ohnehin die nach uns Geborenen. Und dass sie damit nicht uneingeschränkt einverstanden sind, zeigen sie gerade in der heutigen, technisch so weit fortgeschrittenen Welt zunehmend deutlicher als auch zu Recht. Ihre Meinung zu artikulieren und vielen anderen zugänglich zu machen, hat schon die eine oder andere große Partei ins Schleudern gebracht, allerdings ebenfalls zu Recht, wie Lotta fand! Und alles das, weil der größte Teil von uns sich untergeordnet, den Kopf gesenkt und die Klappe gehalten hat. Einige konnten ihre Stimme erheben, jedoch keinen Richtungswechsel initiieren, obwohl sie alles gaben, was sie aufwarten konnten. Erbärmlich, ohne Frage – wenn auch nicht für jene, welche sich engagierten, sondern für alle anderen!

 

 In der Natur hat alles seinen Sinn und es gibt auch so gar keine Diskussion. Einer Aktion folgt eine Reaktion – richtet die Aktion Schaden an, wird eine Reaktion notwendig werden die entweder den entstandenen Nachteil auszugleichen versucht oder aber wie im Pingpong solange erwidert wird, bis einer von beiden halt verliert. Trifft ein mächtiger Giraffenbulle auf einen anderen, passend zur Paarungszeit, knallt es, um nicht zu sagen es scheppert sogar heftig Halswirbel an Halswirbel. Der Kampf wird solange dauern, bis entweder einer kneift und seine Unterlegenheit anerkennt oder aber bewusstlos wird, zu Boden geht und sich, kommt er nicht schnell genug wieder auf die Beine, für Fressfeinde als Mahlzeit anbietet. Gerade auch Giraffen, doch an sich recht friedliebende Tiere, kennen da so gar keine Gnade, wenn es um die Vormachtstellung des Bullen geht. Das ist bei den meisten der anderen männlichen Tiere einer Gattung nicht wesentlich anders, sofern sie denn allein ihre Runden ziehen und nicht im Rudel agieren oder aber dem Männchen seine Weibchen streitig machen wollen. Aber auch dort gilt, der Stärkste gewinnt und alle anderen ordnen sich unter.

 

 Mal ehrlich, so sehr unterscheiden wir uns doch gar nicht von den Tieren, dachte Lotta in diesem Moment. Dieses Imponiergehabe, das Aufplustern sowie das Bestreben, sich besonders gut darzustellen indem man seine Vorzüge präsentiert, kennen auch wir, in mancherlei Hinsicht sogar besser als uns lieb ist. Geht das nicht schon bei den Kleinsten im Kindergarten los? Mein Dreirad ist besser und ich habe sowieso die cooleren Spielsachen, stets das Neueste vom Neuesten! Je mehr Gedöns ein Kind hat, umso besser wird es sich fühlen? Humbug!

 

 Wird da nicht schon der Grundstein gelegt, wie wir später mit anderen umgehen? Ist es nicht dort schon schwierig, wenn Kinder unterschiedlicher Nationen in einer Gruppe oder gar Kinder mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen unter den „normalen“ spielen sollen oder dürfen? Gibt es nicht noch immer, fest in unserer Gesellschaft verankert, Schulen als auch Kindergärten, die hauptsächlich einer bestimmten Glaubensrichtung zuzuordnen sind und alle anderen ausschließen? Wer was auf sich hält und vermeiden möchte, dass sein Steppke mit den „Niederen“ unserer Art in Kontakt kommt, der wird vermutlich Wert auf solche Schulen legen. Wenn er die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten hat, kann er das sogar bis ins Erwachsenenalter durchziehen und stellt damit sicher, dass die Nachkommenschaft so etwas wie das wirkliche Leben mit all seiner Vielfältigkeit gar nicht erst zu Gesicht bekommt. Ein klassisches Beispiel für gelebte Intoleranz, die Arroganz nährt und vielerorts für etwas Selbstverständliches gehalten sowie für richtig befunden wird. Sich zu einer Sache, einem Glauben bekennen zu dürfen muss doch nicht zwangsläufig nach sich ziehen, alle anderen auszuschließen und sich von diesen abzugrenzen, oder?

 

 Das Problem, das Lotta darin sah und auf das sie auch mit Unverständnis reagierte, lag darin begründet, dass Kindern, die in sich nur eine Struktur kennenlernen können, vorenthalten bleibt, was es sonst noch alles gibt. Man wächst in einer in sich durchaus stabilen Ordnung auf, die alles ausschließt, was halt anders ist. Entscheidend ist aber, dass vieles in dieser Gesellschaft, in der Welt, in der wir leben, eben darauf beruht, dass es anders ist und eigentlich ist doch genau das ein nicht zu leugnendes Attribut unseres gesamten gesellschaftlichen Lebens! Dabei ist noch nicht mal ansatzweise von ethnischer Herkunft die Rede, sondern es geht darum, dass wir alle unterschiedlich sind und uns durch unser Wesen, durch unsere Talente und Fähigkeiten klar voneinander unterscheiden lassen!

 

 Wir wissen doch, wie die Kleinen ticken. Sie halten das, was sie umgibt, für „normal“. Dass das, was wir ihnen vorleben lediglich unserer persönlichen Sicht der Dinge entspricht als auch unsere Art zu leben markiert, müssen wir ihnen frühzeitig auf liebevolle Weise verständlich machen. Beginnen tut dieses ja schon in den absolut unterschiedlich ausgelebten familiären Konstellationen, in denen Kinder heranwachsen dürfen. Alles ist okay, solange niemand zu Schaden kommt. Es ist unsere Aufgabe, sie an die Hand zu nehmen und mit einem gestärkten Rückgrat darauf vorzubereiten, was da draußen noch alles auf sie wartet, dass es da noch ganz viel anderes zu entdecken gibt. Wir müssen es ihnen zeigen und zugänglich machen, fand Lotta. Konfessionen voneinander zu trennen und somit Menschen, die andere Werte für sich entdeckt haben zu verbannen, kommt einer Ausgrenzung als auch Ablehnung des anderen gleich. Es steht für die Ansicht, dass nur die eigene Anschauung die einzig wahre ist, was totaler Quatsch und nicht einmal ansatzweise im Sinne einer etwaigen Toleranz gesprochen ist!

 

 Die Entdeckung, wie vielschichtig das Leben ist, kommt dementsprechend deutlich verspätet und nicht jeder kann darauf adäquat reagieren. Wie auch, man hat es ja nie gelernt. Es war nie zuvor wichtig und nun soll man plötzlich damit klarkommen, dass diejenigen, die ins Konzept passen, sich zu großen Teilen in Luft aufgelöst haben was wiederum, um es erhalten zu können, zwangsläufig ein Absondern von dem nicht unerheblichen restlichen Teil der Gesellschaft fordert. Und damit sind sämtliche Grundstöcke für Toleranz auf und davon …

 

 Wer auf seinen guten Ruf achtet, der schickt seine Sprösslinge auf eine Privatschule – Schwachsinn! Wer um sein Renommee besorgt ist, der vermittelt seinen Kindern Respekt und Achtung all denen gegenüber, mit denen man es zu tun bekommt, egal an wen sie glauben oder welche ethnischen Wurzeln sie haben – Punkt!

 

 Dabei sind es wiederum gerade hier die Kinder, die uns vormachen, wie es geht! Die, egal welche Sprache sie sprechen, miteinander in Kommunikation treten können, einfach indem man ihnen beispielsweise einen Ball in die Hände drückt. Die unermesslichen Spaß entwickeln können, lässt man sie einfach machen. Ohne die „falschen“ Vorurteile als auch Beschneidungen des Freigeistes hätten die Kids, welcher Nationalität auch immer, wohl kaum Schwierigkeiten freundlich als auch wohlgesonnen miteinander umzugehen, zu teilen oder auch zu schlichten, Gerechtigkeit und Fairness zu leben. Wer unter uns Erwachsenen zu blöde oder auch zu „kultiviert“ ist versagt hier nämlich kläglich. Es ist eben nicht so einfach, aufgrund unserer Prägung tolerant zu sein!

 

 Offenheit gegenüber anderen Nationen ist eine Sache, die nur dann gelingen kann, wenn ich generell eine gewisse Lossagung von Be- als auch Verurteilungen lebe. Menschen sein zu lassen, wie sie sind, können die wenigsten. Diese dann zudem noch zu achten, weil sie sind was sie sind, Menschen halt, ist wohl eher eine Rarität im Alltag! Wir wissen es, manch einem jagt ein gewisser Ruf voraus und … ja und dann? Bin ich gelassen genug, mir erstmal selbst ein Bild zu machen bevor ich meine Klappe aufreiße?

 

 Ein nicht unerhebliches Paradox ist ja, dass es den Leuten in solchen Fällen außerordentlich leicht fällt, der Gerüchteküche Glauben zu schenken und diese noch um das eine oder andere zu erweitern, wenngleich sie selbst nur äußerst selten Bestandteil von selbiger sein wollen. Von der Gesellschaft geächtet werden will niemand und noch viel weniger wollen wir uns zum Gespött der Leute machen!  Das Getratsche an sich, das Lästern und sich Ergötzen ist schon wie lange so eine Art „Lieblingssport“? Es gibt Magazine und Zeitschriften, die genau davon leben können, weil sie eben das tun! Dummerweise findet sich auch stets etwas, über das man sich lustig machen kann. Besonders unvergesslich immer dann, trifft es das Unglück, Missgeschick oder vielleicht sogar das Leid eines anderen! Dann sind wir gut im Vertreten einer eigenen Meinung oder in der Lage, einem Standpunkt Nachdruck zu verleihen! Wenn es ums Pägeln geht, schaffen wir das, ohne Weiteres!

 

 Geht es aber um Substanz oder beabsichtigte Veränderungen im Umgang oder auch Verhaltensweisen im Alltag, dann weiß niemand von nix was! Ansonsten ist pöbeln oder nachplappern angebracht, einfach mal kundtun, dass es einen gibt – oder so! Am liebsten noch in der Anonymität. Wenn es schon wo anders nicht klappt, dass ich mutig und meiner selbst bewusst sagen kann, was ich denke oder fühle, dann dort, wo mich niemand direkt zur Rede stellen kann oder aber mir keinerlei wirkliche Konsequenzen drohen. Ein Hoch auf das nicht vorhandene Rückgrat? Ironischerweise sind es gerade diejenigen, die in der Namenlosigkeit die sonderlichsten Kommentare abliefern und meinen zu allem und jedem ihren Senf abgeben zu müssen, die letztendlich als Mauerblümchen, vielleicht sogar als A****kriecher an sich, ihr Dasein fristen. Das ist unendlich traurig! Lotta fand es furchtbar und sah darin ebenfalls ein Zeichen des Versagens unserer Gesellschaft. Es ist schändlich, wenn Menschen nicht die Grundlagen eines gesunden Selbstbewusstseins erlernen durften oder gezwungen wurden, selbige herzugeben im Namen von Obrigkeiten, denen ihr Machtgehabe wichtiger ist als ein zufriedener sowie innerlich ausgeglichener Mensch, der wesentlich bessere Ergebnisse erzielen kann, wo auch immer er arbeiten mag!

 

 Welch ein Irrglaube und zugleich ein untrüglicher Beweis für das Versagen des Menschen, der vergessen hat, wie es sich anfühlt, wenn man in sich ruht! Wer bei sich selbst angekommen und mit sich im Reinen ist, der kann sehr wohl andere sein lassen wie sie sind, ohne eine Messlatte oder Skala anlegen zu müssen, die mich selbst besser aussehen lässt! Man macht solche Sachen nur dann, wenn man sie nötig hat – um nicht zu sagen, es bitter nötig hat, Anerkennung als auch Wertschätzung zu erfahren!

 

 Lotta mochte gar nicht darüber nachdenken, wie es sich wohl in so jemandem innerlich anfühlen musste – wie groß musste die Not tatsächlich sein, wenn man zu solchen Mitteln griff? Wenn es keinen anderen Ausweg zu geben schien, als um sich zu schlagen … Wie gering muss man sich selbst schätzen in dem Bestreben, dieses zu verbergen, wenn man wen anders, den man unter Umständen sogar zutiefst beneidet, zu zerstören beabsichtig oder etwas, das diesem wichtig ist – ganz gezielt … Zumeist ist demjenigen, der es abkriegt, nicht einmal das in ihm wohnende Potential zum Erwecken von missgünstigen als auch vernichtenden Gedanken bekannt, und erst recht hat er so eine Behandlung nicht verdient. Vielmehr nützt es jenen, die beinahe schon krankhaft anmutend ein Benehmen an den Tag legen, welches ihrer eigenen Überforderung und dem innerlichen schlechten Gefühl, das zweifelsohne daraus entsteht, Herr zu werden versuchen!

 

 Nicht selten, dachte Lotta, konnte sie, wenn sie so durch die Innenstadt lief, egal wo oder wann auch immer in den Gesichtern der Menschen als auch an ihrem Verhalten ablesen, welch Geistes Kind sie waren. Wie viele von uns laufen tagtäglich mit verkniffenem Ausdruck durch die Gegend – wie viele von uns sind mit dem Verlust jeglichen Selbstwertgefühls gekennzeichnet … schauderhaft, im wahrsten Sinne des Wortes zutiefst bedauernswert! Das Gegenteil davon merkt man nämlich am kollektiven glücklich und gespannt sein, wenn die Lieblingsmannschaft bei der Weltmeisterschaft echte Chancen darauf hat, den Titel zu holen. Man merkt es, weil es in der Luft liegt. Die Stimmung ist in der Gemeinschaft spürbar, beim Einkaufen oder Spazierengehen, ganz besonders intensiv kurz vor dem Anstoß. Gewinnen sie, ist auch das wahrzunehmen, verlieren sie natürlich genauso. Nichtsdestotrotz sind Gefühlslagen als auch Emotionen, die Verfassung der Allgemeinheit zu fühlen sowie klar zu erkennen. Sind die Menschen in der jeweiligen Region eher aufgeschlossen oder nicht? Auch das lässt sich zweifelsfrei in kürzester Zeit ausmachen. Man sollte mal das frühere sogenannte „fahrende Volk“ für derlei Auskünfte heranziehen. Die, die in Lottas Erinnerung noch als „Zigeuner“ bekannt sind, die Gaukler und Magier oder auch die Zirkusleute sowie die vom Rummel – die könnten das vermutlich ohne Wenn und Aber bestätigen. Wohlgesonnenheit und damit einhergehende Achtung sind nicht überall in gleichem Maße vertreten und werden mit deutlichen Schwankungen ausgelebt. Dort, wo es mir nicht gefallen hat, kehre ich nur widerwillig hin zurück und auch nur dann, wenn es sich nun gar nicht vermeiden lässt – ansonsten Tschö mit „ö“ oder so!  

 

 Zurück zu jenen, die ihre schlechte Laune und damit auch ihre grundsätzliche Einstellung zum Leben sowie ihren Mitmenschen gegenüber wie ein Banner vor sich hertragen. Die, deren Frust und Ärger über was auch immer in jedem Mundwinkel sichtbar wird und die sich zu Handlungen hinreißen lassen, die sie nicht gegen sich selbst angewendet würden ertragen wollen. Oder die, die frei nach dem Motto agieren „was ich nicht verstehe, kann ich nur ad acta legen, wenn ich es niedermache“. Mich selbst als richtiger zu betrachten, als das Non plus ultra womöglich, hilft scheinbar über das eine oder andere, das sich meiner Erkenntnis entzieht, hinweg. Was für ein ausgemachter Blödsinn und dennoch überall zu finden, wo man hinschaut! Ob es wirklich so eine gute Idee war, die Brillengläser zu putzen? Lotta war sich da nicht mehr so sicher … gerade …

 

 Trotzdem fielen ihr die uns ebenso bekannten Nervzecken ein, die immer und andauernd betonen müssen, wie toll sie sind, was sie alles haben und überhaupt läuft es bei denen ja nur top! Jedes halbwegs normal aufgeweckte Individuum denkt sich in so einem Moment „Alles gut – dreh dich um, halt die Backen und vergiss nicht, die Tür hinter dir zuzumachen!“ Ihr wisst schon, die, welche hochkandidelt daherkommen, wo selbst der Gang als auch die Bewegungen schon gestellt sind und nichts mit Natürlichkeit zu tun haben, die offenkundig total neben der Spur sind, sich häufig extrem laut als auch über die Maßen gekünstelt artikulieren, damit auch ja niemand in der Umgebung ihre Anwesenheit verpasst … die vorgeben, ganz besonders von sich überzeugt zu sein und je geräuschvoller sie das tun doch nur beweisen, wie wenig sie es tatsächlich sind!  

 

 Zweifelsohne wird niemand gezwungen, wie der Giraffen- oder Elefantenbulle daherzukommen und gnadenlos mit körperlicher Kraft zu überzeugen. Warum also glauben so viele von uns, dass es nötig ist, sich so zu verhalten? Was veranlasst sie, dem Irrglauben zu verfallen, nicht anerkannt zu werden als diejenigen, die sie sind? Warum glauben sie, nicht zu genügen und welchen Schemata auch immer unbedingt gerecht werden zu müssen, dass sie sich selbst unter Masken verbuddeln, um solchen abstrusen Wahrnehmungen standhalten zu können? Aus welchem Grund ist es wichtig, an was auch immer angepasst zu sein und die Persönlichkeit, die jeden von uns letztendlich auszeichnet, untergraben, verstecken, unter Umständen sogar unbedingt geheim halten zu müssen? Wie kann es sein, dass etliche von uns glauben, sie selbst zu sein bedeutet Verlust von Anerkennung und Würde? – Kann doch nicht wahr sein! In Lotta regte sich tiefer Groll, wenn sie darüber nachdachte, wie viele Menschen davon überzeugt sind, sich welchen Doktrinen auch immer unterwerfen zu müssen und vorbehaltlos das Wichtigste opfern, was sie haben – nämlich sich selbst!

 

 Eben das führt in der folgerichtigen Konsequenz dazu, dass sie gezwungen sein werden, Ventile in Anspruch zu nehmen. Das hält ja keiner auf Dauer aus, ständig beherrscht in der Absicht fadenscheinige Gebote achtend, gnadenlos das eigene Wesen fest zusammengeschnürt in sich zu tragen. Das ist doppelte Belastung im höchsten Maße, wenn man so will. Sich selbst aufgrund von angenommenen Theorien zu fesseln und alles abzuwürgen, was einen ausmacht und gleichzeitig eine Maskerade zu initiieren, die zum einen keinesfalls auffliegen darf und zum anderen der angenommenen Satzung der Umwelt entspricht und mit ihr gut zu kooperieren hat.

 

 Das ist furchtbar anstrengend und hinterlässt Spuren, die offensichtlich werden durch überdrehtes, unnatürliches Auftreten sowie Angst vor Entblößung weil man seinen Aufgaben nicht nachkommen kann und so weiter. Abwerten von anderen, die man insgeheim beneidet darf da nicht fehlen. Dieser sich daraus erwachsende Druck ist unermesslich groß und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Zumeist führt gerade dieser dann dazu, dass er weitergegeben werden muss, entweder durch Treten nach unten oder an die Umgebung abgeben – sich permanent überfordert zu fühlen mit dem Wissen, dass man es ist, hält kein Schwein aus, sorry und führt ohne Zweifel dazu, dass man um sich schlägt, egal, wer da in die Quere kommt. Man trampelt in der Folge auf den Gefühlen von anderen herum wie der sprichwörtliche „Elefant im Porzellanladen“ und löst erheblichen Schaden aus, entweder an anderen Menschen als auch auf das bezogen, was das eigentliche Aufgabengebiet umfasst. Den größten Schaden jedoch fügt man sich selbst zu! Früher oder später ist ein tiefer Fall vorprogrammiert, was dann ebenfalls weitere Konsequenzen nach sich zieht, die keiner wollte! Am wenigsten das so sehr damit beschäftigte Leutz, das sich so bemüht hat, anerkannt zu werden – weil es das Gegenteil davon erntet. Ausgelöst durch Dinge, die es ohne zu hinterfragen angenommen und sich gebeugt hat! Dummerweise ist nun die Schose am Dampfen, aber so richtig, denn das wieder aufzuräumen ist unwahrscheinlich anstrengende psychische Arbeit!

 

 Man könnte an dieser Stelle unentwegt fortfahren und das menschliche Verhalten analysieren und fände so bald keine Ende, um genau das zu beschreiben, worum es Lotta ging! Nur ein innerlich in sich ruhender Mensch ist ausgeglichen genug, seinen Nächsten, wer auch immer das sein mag, eben so anzunehmen, wie er ist. Völlig wertungsfrei und damit authentisch, was ein Gegenüber sofort spürt, weil alles das nonverbal abläuft – sich an Umgangsformen als auch Verhaltensweisen, die Art, wie jemand dich anschaut und wie er mit dir spricht, deutlich erkennen lässt. An dieser Stelle darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass es mir durchaus zusteht, mich gegen etwas abzugrenzen, das mir nicht entspricht. Andere anzunehmen wie sie sind, ist nicht gleichzusetzen mit „ich lasse alles mit mir machen“! Das Recht, selbst zu entscheiden bleibt erhalten.  Womit ich mich aus welchen Gründen auch immer identifizieren kann ohne andere von meiner Meinung überzeugen zu müssen oder deren Ansichten blind zu übernehmen, obliegt eben dem, wer ich bin. Es ist nicht damit gemeint, zu allem „ja und amen“ zu sagen, ganz und gar nicht. Ich darf durchaus sagen, was ich nicht unterstreichen kann. Aber es macht einen gravierenden Unterschied, ob ich meine Meinung kundtue, um zu verletzen oder etwas ganz anderes im Sinn habe, nämlich mich oder auch andere zu schützen. Die Intention ist das, was entscheidend ist, fand Lotta!

 

 Wieso zum Beispiel ist „dünn sein“ ein Ideal? Wer zum Henker hat sich das ausgedacht und warum glauben so viele Teenager, dass sie sich runter hungern müssen und der Genuss von etwas, das wirklich lecker ist wie Eis oder Chips oder Schokolade, um jeden Preis krampfhaft unterdrückt werden muss? Warum erliegen sie dem Irrglauben (und nicht nur junge Menschen an sich), dass sie nur dann liebenswert seien, wenn sie welchen Normen auch immer entsprechen? Was hat Körperfülle oder auch ein Mensch mit leichter Polsterung inbegriffen mit dem Charakter zu tun, mit dem Wesen das er ist? Hier wird so viel durcheinander gebracht in unserem Denken und es ist nahezu unmöglich, dort ein für alle Mal klar Schiff reinzubringen! Ein dürrer Mensch lässt vermuten, dass es ihm alles andere als gut geht, er wirkt ausgemergelt und vermisst offensichtlich so etwas wie Liebe und Wärme als auch Sicherheit im emotionalen Bereich. Ein extrem adipöser Mensch mag als maßlos, keine Grenzen kennend erscheinen und doch kann dieses Ausdruck von etwas sein, was ihm deutlich fehlt und sich ebenso mit Liebe und Wärme als auch Sicherheit im emotionalen Bereich beschreiben lässt, der nicht im Gleichgewicht ist.

 

 Gerade weil wir darauf bestehen, uns eben wegen der tierischen brutalen Akte von selbigen zu unterscheiden und deswegen auf einem höheren Niveau zu platzieren sind, sollten wir doch das Prinzip von „leben und leben lassen“ inzwischen verstanden haben. Haut aber leider nicht hin! Warum eigentlich klappt das so gar nicht?

 

 

 

 

 

 

Religiöse Statuten außer Gefecht gesetzt …

 

 Irgendwie haben sich scheinbar sämtliche Richtlinien verschoben, Orientierungsmöglichkeiten haben wir entweder zu viele oder die bisherigen haben sich disqualifiziert. Nun sind wir überfordert, unseren Platz zu finden, also machen wir, oder so manch einer, was er will. Weil es nichts mehr gibt, was allgemeine Gültigkeit hat, geschweige denn diese für sich in Anspruch nehmen könnte. Das schaffen ja nicht mal mehr die großen Glaubensrichtungen, auch wenn sie gerne von sich behaupten, die einzig wahre zu sein! Zum ernsthaften Problem wird es erst dann, sobald einer auf die Idee kommt, sich gegen alle anderen durchsetzen zu wollen, gemäß den Bestimmungen der Natur. Der Stärkere und so weiter. Leider aber kann dieser Schuss nur nach hinten losgehen, weil wir uns eben nicht einfach so überrollen lassen, warum auch! Das tut niemand freiwillig, es sei denn, er lässt sich durch Inhalte überzeugen …

 

 Es kann sich allerdings auch zutragen, dass sich wer finden lässt, der in der Lage ist eine fadenscheinige „Lehre“ zusammenzubasteln und diejenigen einfängt, die eben haltlos sind. Der sich an deren Energielosigkeit als auch Willensschwäche bereichert und zu denen gehört, die sich stark fühlen dürfen auf dem Rücken der Schwächsten … was nur effektiv fruchten kann indem ein Rückweg oder Ausstieg untersagt wird. Klar, wer sein Hirn benutzt kann schon mal auf die Idee kommen, es könnte äußerst spröde konstruiert worden sein, dass irgendein Außerirdischer durch puren Zufall auf die Erde geplumpst ist, den Planeten „anziehend“ gefunden hat und aus diesem „Event“ alles Nachfolgende entstanden ist ohne eine einzige Ideologie hinterlassen zu haben … sowas in der Art halt! Da hat sich der Urheber dessen ja noch nicht einmal wirklich Mühe gegeben, wegen weil so gar keine Aussage geschweige denn Bedeutung dahinter stehen … sind ja schon teilweise bizarre Geschichten, die manch einer da für bare Münze verkauft und auch noch Erfolg damit hat. Jedoch nicht, weil er so überzeugend zum Himmel schreiende Thesen verkauft, sondern diese durch Ausübung von gravierender psychischer Gewalt durchsetzt und allein dadurch die Gewährleistung des Schweigens über die inneren Strukturen sichern kann. Weil er massiv einschüchtert, um ein „Augen verdrehen und genervt abwenden“ ob der Absonderlichkeit des ohnehin schon fragwürdigen Inhaltes ausnahmslos zu unterbinden – was belegt, dass er selbst weiß, dass er im Grunde genommen ein Vollpfosten ist. Ansonsten wäre es wohl nicht nötig, solche Maßnahmen zu ergreifen!

 

 Letztendlich jedoch ist das ein Spiegel dessen, was vielen von uns fehlt. Das Vertrauen in die Religionen bröckelt zunehmend, wofür diese allerdings selbst sorgen. Zu deren Leidwesen zwar, nichtsdestotrotz eigene Dummheit, wenn etwas auffliegt, das hineingesetztes Vertrauen logischerweise in seinen Grundfesten erschüttert! Sowas geschieht immer dann, wenn man beim Lügen erwischt wird und im Anschluss gezwungen wird, Farbe zu bekennen. Wobei man an dieser Stelle nicht vergessen darf, auf welch langer Tradition eben diese Strukturen beruhen. Es den heutigen Vertretern übel zu nehmen oder anzulasten, wäre daher nicht fundiert genug. Auch die sind lediglich gefolgt und dürfen leider nun ausbaden, was andere in die Wege geleitet und jahrhundertelang letztendlich erfolgreich gelebt haben. Was auch und gerade für diese nicht leicht sein wird, ist, nun gezwungen zu sein einen Weg finden zu müssen, der das stete Zerbrechen der eigenen Macht aufhalten und verlorenes Vertrauen erneut aufbauen kann.  

 

 Dessen ungeachtet brauchen wir etwas, an dem wir uns festhalten können … dem wir bedingungslos vertrauen und auf das wir bauen können, gerade auch in der Not! Etwas, das Ruhe in das uns umgebende Chaos bringen kann und uns nicht im Stich lässt. Warum das eine nicht ohne das andere zu existieren scheint, war Lotta unverständlich. Weshalb man nicht Halt, Orientierung und die besagte Hand im Rücken schenken kann und gleichzeitig ein eigenständiges Entwickeln als auch Denkvermögen zu fördern vermag in dem Vertrauen darauf, dass es schon eine positive Wendung im Leben desjenigen bringen wird, der mich gerade braucht, ist doch so gar nicht nachvollziehbar, oder? Nicht für jene, denen Moral und Ethik etwas bedeuten … was sich aber leider nicht unbedingt mit einem religiösen Glauben vereinbaren lässt – inzwischen nicht mehr damit vereinbaren lässt … muss man voller Bedauern einräumen!

 

 Das interessante daran ist aber, wenngleich auch ziemlich erschreckend, dass diese sogar noch einen draufsetzen, weil dieses mit der vehementen Forderung nach bedingungslosem Gehorsam geschieht! Nichts zu hinterfragen, vorbehaltlos anzunehmen und sich demütig  zu fügen hat viel zu lange funktioniert. Allerdings wären sie sich ihrer Sache sicher, wäre es nicht nötig, alles Mögliche unter den Teppich kehren zu müssen. Denn, wie bereits erwähnt, hat das zumeist derjenige nötig, der weiß, dass etwas ihm schaden kann, ihn untergräbt und infrage stellt. Also wird der Mantel des Schweigens darüber gestülpt, sich der daraus erwachsenden Folgen durchaus bewusst, weswegen man es also tut und auch zudem noch rückhaltlos umsetzt. Im Vollbesitz der geistigen Kräfte quasi – um etwas Verheerendes zu verhindern, nämlich den Machtverlust. Manchmal wäre es einfach klüger zu sagen, man hat etwas gründlich vermasselt oder schlicht und ergreifend einen Fehler gemacht. Im Bewusstsein über die eigenen Unzulänglichkeiten, gerade weil man sie eingesteht, liegt die berechtigte Hoffnung als auch eine Chance, selbiges zukünftig ausdrücklich zu verhindern. Wir machen alle Fehler und niemand von uns ist perfekt, insofern fällt es leichter, wenn man als Mensch vorangeht und nicht als unantastbares und nicht infrage zu stellendes Subjekt. Der christliche Glauben unterscheidet sich was das betrifft nicht im Mindesten von der Methode manch einer Sekte oder derlei Gruppierungen an sich. Auch wenn die Inquisition abgeschafft ist, so war sie mal äußerst wirksam aber kann heutzutage nicht mehr greifen, was so genau richtig ist!

 

 Zu allem Überfluss, wie man ja schon sagen muss, erkennt man so überhaupt kein Interesse daran, die eigenen Werte auch zu vertreten, wie es scheint ist das Gegenteil der Fall. Die Unternehmenskultur vieler Häuser oder Firmen, wenn sie sich beispielsweise öffentlich zu den Richtlinien der katholischen Kirche zugeordnet betrachten, lässt allzu oft gerade diesbezüglich zu wünschen übrig. Gerade diese sind häufig gekennzeichnet durch Mobbing, Bossing oder überspitzte und ziemlich grundlose Selbstdarstellung Einzelner, die das vermeintliche Sagen haben und keinen Widerspruch dulden … einen menschenwürdigen Umgang den eigenen Mitarbeitern gegenüber sucht man vergeblich! Wie eigentlich kann das sein? Wie lässt sich das auch nur ansatzweise rechtfertigen, dass ich von meinen „Untergebenen“ eben das gnadenlos einfordere, was ich selbst nicht mal ansatzweise vorzuleben gewillt bin und das nicht, weil ich es muss, sondern wieder einmal weil ich es kann … weil es niemandem gibt, der mir Einhalt gebietet! Dass mein Ruf infolgedessen dann auf kurz oder lang in sich zusammenbricht und vom ursprünglichen Sinn komplett abweicht, kann man dann in aller Ruhe mit „eigene Dummheit“ titulieren, fand Lotta leicht naserümpfend …   

 

 In diesem Moment war in ihrem Kopf ein Gedanke flüchtig davon geeilt und sie schaute schnell hinterher, um ihn noch so eben zu fassen zu kriegen. Wäre das eine mögliche Erklärung? Weil es von uns so unendlich viele gab, war es schlicht und ergreifend nicht mehr zu kontrollieren? Ha – das wäre ja mal die ultimative Ausrede für alles, oder nicht?

 

 Überall dort, wo es wenig von uns aber viel Platz für die Natur gibt, gibt es keinen Zoff!  Können wir uns nicht gegenseitig auf den Keks gehen oder aber wem anders unseren Stempel aufdrücken, läuft‘s! Könnten wir die Steinzeitmenschen fragen, würden die vermutlich nur verständnislos mit den Schultern zucken. Die haben allerdings auch noch nicht so viel unerträglichen Mist gebaut wie wir! Die hatten ihre Sippen, haben niemandem ihren stinkenden Müll hinterlassen oder sonst welchen Schaden zugefügt, die waren halt da und gut. Lebten mit ihrer Umgebung im Einklang, kurzfristig in Höhlen, ansonsten in selbst zusammen geklöppelten Zelten, die da aus Fellen und Häuten bestanden haben mögen. Ihr Leben war an dem Weiterziehen der Herden angepasst und sie sind vermutlich nicht einmal auf die Idee gekommen, andere sich selbst schonungslos unterzuordnen. Dass auch sie an etwas Übergeordnetes geglaubt haben werden, liegt nahe. Es ist definitiv anzunehmen, dass sie so etwas wie „Schamanen“ gehabt haben werden. Einzelne von ihnen, die also über besonderes Wissen verfügten und dieses auch nur an diesem Talent zugängliche Individuen weitergegeben haben … welche aber für das geistige Wohlergehen, das Erfüllen von Wünschen, das Beschwören von Mächten gegen Unglück oder Krankheit zuständig gewesen sein werden.

 

 Das ist schon seit Anbeginn der Menschheit so. Es hat immer diejenigen gegeben, die für das verantwortlich waren, was nicht greifbar und doch klar der spirituellen Seite unseres Daseins gewidmet ist, während alle anderen halt gefolgt sind. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist Stonehenge. Das deutlich mehr als 10.000 Jahre alt ist und als Kultstätte gilt. Die penible Ausrichtung auf die Gestirne als auch die unfassbare Errichtung an sich belegen ein außerordentliches Wissen, was aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar ist, hatten sie doch noch keine Teleskope geschweige denn gigantische Baumaschinen. Ebenfalls stellt es die Verbindung zwischen den einzelnen Sippen her, die offensichtlich dennoch gemeinschaftlich an eine höhere Macht geglaubt haben und dementsprechend ihre Riten an einem allgemeingültigen Platz begingen.

 

 Wir brauchen etwas, das über uns steht und uns wohlgesonnen ist. Kritisch wird es erst dann, wenn daraus eine Form von Macht erwächst, die strikt bevormundet. Da sich dieses Vorgehen aber im Laufe der Geschichte als erwiesen herausstellt, mag die zunehmende Bevölkerung als auch der Fortschritt in der Technologie dazu beitragen, dass den bisher übermächtigen Religionen zunehmend der Wind aus den Segeln genommen werden kann. Sogar ohne sich wirklich anstrengen zu müssen, weil sie uns mehr liefern um offene Zweifel zu äußern, als uns lieb ist! Wäre auch für uns leichter, könnten wir nix finden, das deren Integrität offenkundig unterwandert … wie man sieht, kommen wir ja nicht so super damit klar, wenn das geschieht.

 

 Interessanterweise gibt es in der Geschichte unseres Daseins aber auch Hinweise dafür, dass selbst so etwas Mächtiges wie ein Pharao durch das ihm untergeordnete Volk an seinem Bestreben scheitert, den vorherrschenden Glauben auseinander zu nehmen und durch etwas anderes, neues ersetzen zu wollen. Lotta dachte an Echnaton, der so um die 1300 vor Christus gelebt als auch regiert haben muss und der auf die Idee gekommen ist, Aton, den Gott in Gestalt der Sonnenscheibe, allen anderen Göttern zu überstellen. Er gründete die vielleicht bekannte Stadt Achet-Aton als Hauptstadt und weihte sie diesem Gott. Bedauerlicherweise fand das wohl wenig Anklang, da es halt nicht mal eben so machbar ist, die Massen zum Umdenken zu zwingen und ihnen alles bisher Vertraute zu nehmen! Sein Sohn, der überaus bekannte Tutanchamun, war gezwungen, das Ganze wieder rückgängig zu machen, eben weil der Druck zu hoch war. Genaues weiß so gesehen natürlich keiner von uns, wir waren ja nicht dabei. Dennoch lässt sich das eine oder andere vermuten.  

 

 Da wir aber etwas brauchen, das uns das bieten kann, sind einige von uns ständig auf der Suche und fallen vielleicht jenen Scharlatanen zum Opfer, die sich als teuflisch anmutende Seelenfänger erweisen und das Unglück noch zusätzlich verschärfen, weil sie, wie immer und schon fast zum Hals raushängend, Profit machen und ausschließlich sich selbst bereichern wollen! 

 

 Vor diesem Hintergrund kam Lotta der Gedanke, dass keine Alternative da ist, selbst wenn sich die Religionen hier und da selbst unterwandern und des Vertrauens als unwürdig erweisen. Etwas Neues, das dieses ersetzt, lässt sich nicht so leicht finden, geschweige denn erfolgreich umsetzen. Noch nicht einmal dann, wenn die Religionen von ihrem ursprünglichen Bestreben, ein Halt, eine Richtlinie für das menschliche Miteinander sein zu wollen, unbestreitbar abweichen. Folgerichtig erscheint vor diesem Hintergrund die Vermutung, dass sie den lammfrommen Gehorsam zunehmend verlieren … an Gefolge einbüßen werden! Ein Umlenken und Aufhalten dieses zu erwartenden Prozesses kriegt man nicht übers Knie gebrochen, vor allem dann nicht, wenn man nicht weiß, wie man das anstellen soll. Wie die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen? Das war es dann mit der Macht – auf und davon quasi.

 

 In wenigen Jahrzehnten wird es all diejenigen nicht mehr geben, die noch fest verankert in diesem Glauben ihr Leben gestaltet haben und dieses an ihre Kinder weitergeben konnten, da diese inzwischen das Zeitliche gesegnet haben wird. Vielleicht wird es ebenfalls immer weniger von der Sorte geben, die ihre Kinder, weil man das halt so macht, zur Kommunion oder Konfirmation bringen, bzw. zwingen und die dem nicht mehr folgen, weil sie davon überzeugt sind, sondern weil es Geschenke und Geld dafür gibt. Es wird halt so von dir erwartet und dann machst du es eben! Der eine oder andere täuscht auf diese Weise etwas vor, was er innerlich überhaupt nicht vertritt, weil er sich unterordnet und zwar dem, was die Gesellschaft von dir erwartet – blöde Sache! Warum tut sie das, die Gesellschaft? Warum bin ich nur anerkennenswert, wenn ich Christ bin und auch nur dann, weil ich in die Kirche gehe und den liturgischen Regeln folge. Bin ich nicht wesentlich christlicher, wenn ich im Alltag Menschen respektvoll behandele und nichts tue, was einem anderen Schaden zufügt? Kann nur ein Christ ein guter Arzt oder Anwalt sein und die, welche sich der muslimischen Glaubensrichtung zugehörig fühlen sind totale Versager? Die können bloß lecker Döner machen aber ansonsten … spätestens hier merkt man doch, wie lächerlich das eigentlich ist, oder nicht?

 

 Bei mehr und mehr Schwinden der menschlichen Werte ist ein Atheismus, der keinerlei Grenzen bezüglich des Einhaltens eben jener Wertvorstellungen oder einer Form von Moral beinhaltet und seinen Ursprung im absolut Gegenteiligen hat, die einzig verbleibende Alternative. Schaltet sie doch jegliches Gewissen erfolgreich ab, kennen wir ja schon. Und wenn wir dann sterben? Naja, wer sich so sehr von sich selbst und dem, was man Seele nennt, entfernt hat, dass er buchstäblich zu Lebzeiten darauf sch**ßt, dem wird auch das „Danach“ wurscht sein. Ob er Fracksausen in Anbetracht des Sterbens bekommen wird, ist dann sein Ding – sich im Augenblick des Dahinscheidens dann auf Gott zu besinnen … wohl eher unwahrscheinlich und wenn doch, ziemlich erbärmlich!

 

 Bleibt übrig, um Vertrauen zu verdienen, muss man es sich erwerben und dieses ist ein langer Weg. Bittere Erkenntnis, wenn man Toleranz im Großen als auch im Kleinen als komplett versaubeutelt zu betrachten gezwungen ist. Was Lotta dabei bedenklich fand, sind eben die Auswirkungen auf das große Ganze, wenn man schon im Kleinen ein Aufstehen und Einsetzen für menschenwürdiges Miteinander unterbindet. Wer nicht in der Lage ist, für sich selbst einzutreten, weil ihm dieses untersagt wird und er lernen muss, den Kopf zu senken und besser die Klappe zu halten, der kann ja auch gar nicht auf die Idee kommen, sich höhere Ziele zu stecken. Dumm nur, dass uns das in den Ruin führen wird. Gäbe es da nicht die nach uns heranwachsenden Generationen, die, aufmüpfig wie die Jugend halt ist, das tut, was wir hätten tun sollen … tun müssen, um ehrlich zu sein!