Jasmina Marks
Jasmina Marks

 

 

 

 

 

 

 Das Thema „sexueller Kindesmissbrauch“ ist umfassend als auch belastend – dennoch möchte ich den Versuch wagen, Ihnen, lieber Leser, wenigstens einen kleinen Einblick zu geben, der Ihnen helfen kann und soll.

 


 Viele Kinder werden missbraucht – Untersuchungen offenbaren erschreckende Ergebnisse: betroffen sein soll jedes 4. Mädchen und jeder 12. Junge (wobei es abweichende Statistiken gibt, denen jeweils unterschiedliche Ansätze zugrunde liegen) Täter sind häufig Familienangehörige als auch nahe Bekannte. Abgesehen von all jenen, die inzwischen erwachsen sind und noch immer unter den Folgen leiden!

 

 

 


 Mein persönliches Ziel ist es, das Schweigen zu brechen und darauf aufmerksam zu machen, wie viele Möglichkeiten Sie als Mitmensch und Teil dieser Gesellschaft haben, um diesen Kindern zu helfen oder jenen, die bis heute darunter leiden…denn sie können es nicht selbst und sind auf das Wohlwollen ihrer Umgebung angewiesen!!!

 

 Es ist nicht nötig, wegzusehen – im Gegenteil, die Strategie der drei Affen (nichts sehen, nichts hören und nichts sagen) gilt es zu brechen!!!

 

 Es ist wichtig, offenzubleiben (oder offen zu werden), und den Kindern erst einmal Gehör zu schenken. Lassen Sie die Person, die zu Ihnen kommt und sich Ihnen anvertraut, zunächst einmal reden. Hören Sie zu und nehmen Sie sich Zeit. Geben Sie Nähe und spenden Sie Trost – bieten Sie auf diese Weise einen Halt an, der für diese Kinder lebenswichtig sein kann.

 Stärken Sie das Kind oder die Person darin, dass ihm ein Unrecht geschieht, gegen das man etwas unternehmen kann – versuchen Sie, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Keinesfalls sollten Sie eigenmächtig die Eltern oder Täter ansprechen, holen Sie sich, wenn möglich, fachkundige Hilfe (Kinderschutzbund oder Beratungsstellen).

 

 Besonders sollten Sie darauf achten, dass Sie nichts sagen, was Schuldgefühle auslösen, bzw. zusätzlich schüren könnte. Beispielsweise so etwas wie: „dann geh doch weg“ oder „öffne die Tür doch nicht“….

 

 Sollten Sie sich von diesem Thema belastet fühlen und unsicher sein, wie man sich am Besten verhält, so können und sollten auch Sie sich Hilfe holen.

 

 

 Zweifelsohne ist es von Vorteil, sich an ausgebildete und kompetente Fachleute zu wenden – Menschen, die vertraut sind im Umgang mit missbrauchten Kindern. Neutrale Stellen werden Sie weitervermitteln können, sofern Sie sich nicht direkt an eine solche wenden können. Gegebenenfalls werden diese Sie auch zu einem ersten Termin begleiten können.

 

 Es ist unwahrscheinlich, dass gleich ein riesiges Theater mit eventuellen Sanktionen der Beschuldigten auf Sie zukommen wird, wenn Sie Hilfe holen. Alle zuständigen Stellen behandeln dieses Thema äußerst behutsam und unterliegen der Schweigepflicht.

 

 Bewahren Sie in jedem Fall Ruhe, und trauen Sie sich, für eine solche Seele einzustehen. Für jedes Problem gibt es eine Lösung, und wenn man diese Lösung selbst nicht findet, dann fragen Sie ruhig dort nach, wo man Ihnen weiterhelfen kann. Irgendwann werden Sie den richtigen Adressaten finden - denn nur so können Sie wirklich helfen!!!!!!!

 

 

 Dieses ist auch gerade deshalb so unendlich wichtig, da viele Jahre später, wenn ein Opfer vielleicht sein Schweigen zu brechen versucht, juristische Schwierigkeiten bestehen können, dass der Täter verurteilt werden kann. Einerseits liegt das an den Verjährungsfristen und andererseits ist es nach vielen Jahren unendlich schwer, stichhaltige Beweise zu erbringen.

 

 Infolgedessen müssen sich die Opfer einem psychologischen Gutachten unterziehen, das, wenn es negativ ausfällt, zur Verfahrenseinstellung führt. Dieses bedeutet für die Opfer eine zusätzliche Diffamierung ihrer Person und ganz besonders, ihrer Würde!!!

 

 Häufig wird dieses durch die Aussagen des Täters noch vorangetrieben. Behauptungen wie „die/der war schon immer verlogen“ oder „die/der will sich nur wichtig machen“ oder „die/der hat es nur darauf angelegt“ oder „die/der ist gestört“ oder „die/der bildet sich das nur ein, weil sie/er sich selbst so wichtig nimmt“ und so weiter und so weiter…………

 

 Diese Tatsache ist für Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch unendlich schwer zu tragen und dient ihnen auch nicht. Im Gegenteil – sie führt dazu, dass man sich noch zusätzlich erniedrigt fühlt und ernsthaft der Frage stellen muss, ob es sich gelohnt hat, das Schweigen mühsam gebrochen zu haben…

 

 Ferner ist bei einer Verfahrenseinstellung keine Entschädigungszahlung möglich, sprich: Die Opfer sind gezwungen (wenn sie alleine dastehen und nicht stark genug sind, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen) auf dem untersten finanziellen Niveau (Sozialgeld) zu überleben – was auf dem Weg zu einer „gesunden“ Zukunft als erhebliches Hindernis anzusehen ist.

 

 

 

„Der Welt da draußen war es egal, als mir das angetan wurde.

Der Welt da draußen ist es egal, wie ich damit fertig werde.

Die Welt da draußen interessiert sich nur dafür, dass ich niemandem zur Last falle. (Zum Beispiel von Hartz IV zu leben, obwohl man doch gesund aussieht)

 

 

 Die Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch können sich bis ins hohe Alter bemerkbar machen. Dazu gehören neben Problemen in der Partnerschaft und Familie unzählige Ängste als auch Depressionen. Ausschlaggebend dafür ist der immense Vertrauensbruch, den ein Übergriff auslöst. Insofern ist es für Geschädigte sinnvoll, auf professionelle Hilfen zurückgreifen!!!

 

 Eine fehlende Identifikation mit dem eigenen Körper kann ebenso eine Folge sein wie Essstörungen, Panikattacken und eine erhebliche Suchtgefährdung. Die Schuldgefühle verhindern ein gesundes Wachstum des Selbstwertgefühles.

 

 Denn, selbst wenn einem klar ist, dass einem ein Unrecht widerfährt – so scheint es vor sich selbst nicht wirklich standhalten zu können, wenn man die/der Einzige ist, die/der das glaubt. Nur das Gefühl alleine, dass es trotzdem ein großes Unrecht ist, kann keine dauerhafte Basis für ein stabiles emotionales Leben darstellen.

 

 Wenn Verwandte oder nahestehende Personen dann auch noch so tun, als würden sie nichts davon bemerken oder aber bewusst übersehen und alle Versuche, darüber zu sprechen, abblocken – dann zerbrechen diese Kinder und benötigen dringend die Hilfe von Außenstehenden!!!

 

 In einer Therapie lernt man, die Geschehnisse zu verarbeiten und damit umzugehen – nur so kann man letztendlich auf seinem zukünftigen Weg bestehen lernen.

 

 Man lernt, zu akzeptieren, dass es eben so war. Und man selbst zu klein war, um daran etwas ändern zu können. Dass die Erwachsenen um einen herum eben ihrer Aufgabe nicht nachgekommen sind: der Aufgabe, verantwortungsvoll und pflichtbewusst ein Kind großzuziehen!

 

 Man lernt, sich nicht mehr schuldig zu fühlen. Zu erkennen, dass man als Kind handlungsunfähig, der Willkür des Täters ohnmächtig ausgeliefert war.

 

 Man lernt, dass der eigene Körper zu einem gehört und auch nichts dafür kann, dass der Missbrauch stattgefunden hat. Dieser Körper, der sich so unendlich schmutzig anfühlt und auch noch so viele Duschen nichts daran ändern können - ändern kann sich nur allein die innere Einstellung!

 Es gibt nichts Unerträglicheres, als wenn man mit einer Hülle herumlaufen muss, die man am Liebsten abstreifen würde – wohl wissend, dass das nicht geht.

 

 Man lernt für sich, individuell wirksame Methoden zu entwickeln, die in akuten Situationen angewendet, Rückfälle verhindern können. (Was kann ich tun, wenn ich einen Albtraum hatte? - Wie gehe ich damit um? – Wie erkenne ich, ob es jemand gut mit mir meint? – Was kann ich bei einer plötzlich einsetzenden Angstattacke tun? – Wie gewinne ich innere Sicherheit und Stärke? – Wer bin ich wirklich, unter all dem empfundenen Dreck auf meinem Körper? – Was kann ich tun, um mich zu schützen? – Wie stärke ich mein Selbst?)

 

 

Was man nicht braucht oder will, ist Mitleid!!!

 

Was man braucht, ist das Gefühl, nicht alleine zu sein!!!

Menschen,

  1. die da sind, wenn es mir schlecht geht.
  2. denen ich vertrauen kann.
  3. die zuhören und nicht so tun, als wären sie taub.
  4. die hinsehen und nicht so tun, als wären sie blind.
  5. die ihre Stimme erheben, wo meine mir versagt.
  6. die mich vielleicht auch stützen, wenn ich mich klein und am Boden fühle.

 

 

 Hätte ich die Hilfe von Menschen unter anderem von Beratungsstellen und vom Sozialpsychiatrischen Dienst nicht gesucht und angenommen - dann wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin!!!

 

 Dann würde ich jetzt nicht meine Stimme erheben und Ihnen Mut machen wollen, sondern wäre – ehrlich gesagt – schon lange nicht mehr am Leben!!!

 

 


 Es ist also gut, Hilfe anzunehmen – allerdings sollten es die richtigen Leute sein, an die man sich wendet – Leute, die sich mit sexuellem Missbrauch an Kindern auskennen oder aber die willens sind, einer solchen Seele aufzuhelfen!!!!

 

 


              In diesem Sinne, seien Sie tapfer und stark!!!

 

 

 

 

                               Jasmina Marks   

 

 

    

 

               „Gedanken sind der Anfang von Taten“



 

 

 

                                



 



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